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Deutschland wrackt ab - Prämiengeld wird noch nicht knapp

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Eschborn - Die Abwrackprämie läuft nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos besser als erwartet. Die Mittel von 2500 € pro Auto würden aber noch nicht knapp, sagte er Freitag in Eschborn bei Frankfurt. Trotz der Prämie meldeten mehrere große Automobilkonzerne einen weltweiten Einbruch der Verkaufszahlen. Nur Opel kündigte an, man werde angesichts des Nachfrageanstiegs durch die Abwrackprämie die geplante Kurzarbeit reduzieren.

Das für die Abwicklung der sogenannten Umweltprämie zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Eschborn hatte bis gestern rund 17 500 Anträge erhalten. Das notwendige Formular sei bereits mehr als 458 000 Mal von der Homepage heruntergeladen worden, berichtete BAFA-Präsident Arnold Wallraff.

Glos stellte klar, dass die zu erwartenden Verwaltungskosten von rund vier Millionen € aus den im Konjunkturpaket II bewilligten 1,5 Milliarden € bestritten werden müssen. Damit verringert sich die Zahl der möglichen Auszahlungen von 600 000 um rund 1600. Bleiben 598 400 und damit stehe die imaginäre Förderampel noch auf „dunkelgrün“, sagte Glos. Doch das Geld schmilzt schnell. Um immerhin 6000 stieg allein gestern die Zahl der eingegangenen Anträge. Ginge es in diesem Tempo weiter, wäre der Topf in nicht einmal 100 Tagen leer. Mancher Kleinwagen hat bereits eine längere Lieferfrist.

Glos appellierte an die Bürger, sich auch nach preiswerten Leasingrückläufern und Mietwagen umzusehen, die bei einem Alter von unter einem Jahr ebenfalls gefördert werden können. Ziel der Prämie sei es ausdrücklich gewesen, die bestehenden Autohalden abzubauen und für die Autoindustrie das Tal der Absatzschwäche zu verkürzen.

Der Minister wandte sich gegen Kritik, dass die Zahlungen in erster Linie für importierte Kleinwagen verwendet würden. Deren Teile stammten ohnehin meist aus Deutschland und zudem trete die Bundesrepublik als Exportnation Nummer eins weiterhin für den offenen Welthandel ein.

Frankreich berichtete fast zeitgleich, dass die dort ebenfalls eingeführte Abwrackprämie vor allem deutschen Autobauern nutze. Die französische Regierung zahlt seit Anfang Dezember eine Zuschuss von 1000 €. Überraschenderweise haben davon aber vor allem deutsche Hersteller profitiert, nicht aber die heimische Industrie. „Das Ziel, den französischen Autobauern mit der Verschrottungsprämie zu helfen, ist verfehlt“, urteilte die Finanzzeitung „Les Echos“. Denn beim Konzern Peugeot-Citroën sackte der Absatz im Januar um 11,2 Prozent, bei Renault sogar um 20,9 Prozent ein. Teils spektakuläre Zuwächse verzeichnen dagegen die deutschen Marken: Audi steigerte die Zahl der Neuzulassungen in Frankreich um 30,9, Mercedes um 20,7 und VW um 4,8 Prozent. Auch bei Fiat oder Kia (plus 53 Prozent) ging die Tendenz im Januar deutlich nach oben.

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