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Filmrezensionen

„Diamantenhochzeit“: Holprige Farce

Gian-Philip Andreas

Hochzeiten sind im Kino ja vor allem dazu da, dass auf ihnen ordentlich was schiefgehen kann. Das gilt auch für „Diamantenhochzeit“, den zweiten Film von Michael Kupczyk („Nordstadt“).

Ganz in Echtzeit läuft das Desaster ab, und viel Zeit gewährt das Drehbuch den Brautleuten nicht, sich auf ihr Fest zu freuen. Das liegt am kriminellen Vater des Bräutigams, Manfred, gespielt vom derzeit in Film und TV omnipräsenten Martin Brambach („Barfuß bis zum Hals“).

Das hätte alles lustig werden können, wenn Kupczyk es bei Hochzeits-Satire oder Slapstick-Komödie belassen hätte. Doch er wollte eine schwarze Gaunerfarce irgendwo zwischen Tarantino-Epigonentum und Hitchcocks „Immer Ärger mit Harry“.

Was ihm kräftig misslang, wie meistens, wenn deutsche Regisseure Leuten wie Guy Ritchie hinterfilmen wollen. Manfred jedenfalls erschießt zu Beginn per Zufall einen Kurier geschmuggelter Diamanten, muss dessen Leiche dann im Saab seines braven Sohnes verstecken und irgendwie an die Klunker kommen.

Doch die stecken im Magen des Toten: Unappetitliche Szenen folgen, ein krawalltuntiges Gangster-Duo betritt die Szene, während die Hochzeit immer mehr aus dem Ruder läuft. Bemerkenswert an Kupczyks Film ist sicher seine Rasanz, außerdem gefallen Brambach sowie Jörg Pohl als fassungsloser Sohn.

Doch die geschmacklosen (Un-)Witze, die abgestandenen Verwicklungen und auch die ernsten Zwischenszenen, die sich selbst ad absurdum führen, lassen die Komödie wie ein zurecht vergessenes Relikt aus den späten 90ern wirken. Schwach.

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