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Schienenverkehr

Die Bahn kassiert ab - Stationspreise steigen vor allem in Westfalen-Lippe

Elmar Ries

Münsterland - Wut in Westfalen-Lippe, zufriedene Ruhe im Ruhrgebiet: Die Deutsche Bahn hat ihr sogenanntes Stationspreissystem neu or­ga­nisiert. In NRW müssen vor allem Verkehrsverbünde in Westfalen-Lippe an die Deutsche Bahn deutlich höhere Entgelte für die Nutzung der Bahnhöfe zahlen; anstatt wie bisher zwölf Millionen Euro pro Jahr sollen es ab jetzt 19 Millionen Euro sein.

Mit Wucht trifft die Preisexplosion auch das Münsterland. „Wir rechnen mit einer Steigerung von 37 Prozent“, erklärte Michael Geu­ckler, Chef des Zweckverbandes Schienen-Personen-Nahverkehr Münsterland (ZVM), auf Nachfrage. Unterm Strich seien das 1,8 Millionen Eu­ro. In der gestrigen Verbandsversammlung hat Geuckler die Vertreter der vier Münsterlandkreise und der Stadt Münster über die drastische Veränderung informiert.

Die hat ihre Ursache letztlich in einem Veto der Bundesnetzagentur. Das Aufsichtsgremium hatte vor geraumer Zeit das alte Stati­onspreissystem der Bahn als viel zu undurchsichtig kritisiert. Grundsätzlich gilt: Die Bahnbetreiber zahlen für jeden Zughalt eine Art Benutzungsgebühr für den Bahnhof. „Wir hatten den Auftrag der Netzagentur, das System neu zu organisieren“, sagte Bahn-Sprecher Gerd Felser fast schon lapidar. „Und das haben wir eben gemacht.“ Auch wenn er die Proteste in Westfalen-Lippe „natürlich verstehen kann“. Insgesamt aber, sagt er, seien die Entgelte in NRW „kostenneutral“ geblieben.

Mit dem neuen Stationspreissystem „SPS 11“ der DB Station & Service AG sind die Bahnhöfe in sieben Kategorien eingeteilt, eins steht für die größten, sieben für die kleinsten. Die Preise pro Halt werden nach einem komplizierten Schlüssel berechnet. In den fließen unter anderem die Länge und Zahl der Bahnsteige ein, die Zahl der Reisenden oder der dort vorgehaltene Service.

Als nicht logisch wird das neue Preissystem vom Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert. Auffällig sei vor allem, dass ausgerechnet jene Verkehrsanbieter bei der neuen Nutzergebühr zur Kasse gebeten würden, die besonders stark auf Wettbewerb setzten, betonte Pro-Bahn-Sprecher Rai­ner Engel. Das trifft gerade auf Ostwestfalen und das Münsterland zu.

Um die Preisexplosion abzufedern, laufen derzeit Gespräche mit dem Land. Der Schienen-Personen-Nahverkehr arbeitet nicht kostendeckend. Jedes Jahr schießt der Bund über die Länder hohe Summen zu. „Allein in NRW sind das 850 Millionen Euro“, sagt Geuckler. Knapp 75 Millionen Euro davon fließen ins Münsterland. „Sollte die Deutsche Bahn bei ihrem Preissystem bleiben, muss die­se Summe aufgestockt werden“, fordert der ZVM-Chef. Andernfalls müsse der Zweckverband letztlich sein Angebot ausdünnen oder die Preise erhöhen.

Dabei ist das Stationspreissystem längst nicht der einzige Schuh, der den ZVM und dessen Partner drückt: 2012 will die Deutsche Bahn ihre Trassenpreise neu festlegen - „dass es dann billiger wird, halte ich für eher unwahrscheinlich“, mutmaßt der ZVM-Geschäftsführer. Hinzu kommt, dass der Bund seinen Zuschuss zwar jedes Jahr au­tomatisch um 1,5 Prozent erhöht, „die Kosten aber real um drei Prozent steigen“.

Profiteur des neuen Stati­onspreissystems in NRW ist der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Der zahlt nun zehn Prozent weniger, heißt konkret: Er spart knapp zwei Millionen Euro. Dass dort vor allem die Deutsche Bahn fährt, sei nur am Rande erwähnt.

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