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Berlinale-Tagebuch - Tag 1

Die begehrte Tasche und der erste Fauxpas

Die Berlinale-Tasche steht für eine Gewisse Uniformität. Als Akkreditierter bekommt man eine Tasche zu seinem Berlinale-Ausweis dazu und diese dient fortan, für die nächsten 11 Tage, als Erkennungssymbol, Zugehörigkeit, man ist wer, v.a. ist man Filmemacher, akkreditiert! Schaut her, ich habe eine Berlinale-Tasche! Frohen Mutes und voller Vorfreude - hatte ja die diesjährige...

wn

Berlin - Die Berlinale-Tasche steht für eine Gewisse Uniformität. Als Akkreditierter bekommt man eine Tasche zu seinem Berlinale-Ausweis dazu und diese dient fortan, für die nächsten 11 Tage, als Erkennungssymbol, Zugehörigkeit, man ist wer, man ist Filmemacher, akkreditiert! Schaut her, ich habe eine Berlinale-Tasche! Frohen Mutes und voller Vorfreude steige ich am Potsdamer Platz aus der U-Bahn und mache mich auf den Weg zum Daimler-Chrysler-Center, wo die Akkreditierungen und Tickets für das Filmvolk ausgegeben werden. Vorbei an den langen Schlangen der Normalsterblichen, die an den Ticketcountern in den Arkaden anstehen. Sponsor BMW, Einsatzwagen Mercedes Zum Schmunzeln bringt mich schon das, was ich vorher sehe: BMW, einer der offiziellen Partner des Festivals, chauffiert uns Filmschaffende in Mercedes-Vitos durch die Gegend. Am Schalter für die Akkreditierten leiste ich mir, wahrscheinlich unbemerkt, den ersten Fauxpas: ich übersehe die Menschenschlange, die sich auch hier gebildet hat, und drängel mich vor. Und dann kommt sie endlich, die Tasche. Über die letzten Jahrgänge des Beutels sind richtige Abhandlungen im Netz zu finden. Mal sind sie schöner, die Exemplare, manchmal praktischer... Ich hoffte diesmal insgeheim auf eine im Design der neuen Berlinale-Werbekampagne mit dem strahlenden B in der Mitte. Und was kommt? Über den Tresen gereicht wird ein blaues Knäuel, das sich bald als schnöder Beutel mit einem schnöden Reisverschluss herausstellt, mit einem schnöden halben Bären-Aufdruck. Was für ein trauriger Anblick! Ist das der Vorbote des Filmprogramms, das auf uns zukommt? Enttäuscht dachte ich, kann es nicht schlimmer werden, als ich um Haaresbreite, Strähnchenbreite, einer Moderatorin eines Privatsenders in die Arme laufe und der Anblick ihrer aufgespritzten Lippen ließ mich den Frust vergessen, dass ich nun 11 Tage mit einem schnöden, blauen Beutel durch die Gegend laufen muss.

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