1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Die Erben sehen rot

  6. >

Bundestagswahl News

Die Erben sehen rot

Er ist gewiss nicht alleiniger Vater des historischen Absturzes der SPD. Aber er trägt als Vorsitzender die Hauptverantwortung. Deshalb wird es für Franz Müntefering auch keine Zukunft mehr an der Spitze einer Partei geben...

wn

Er ist gewiss nicht alleiniger Vater des historischen Absturzes der SPD. Aber er trägt als Vorsitzender die Hauptverantwortung. Deshalb wird es für Franz Müntefering auch keine Zukunft mehr an der Spitze einer Partei geben, in der ohnehin kaum ein Stein auf dem anderen bleiben dürfte.

Ob er seiner - zunächst taktisch motivierten - Ankündigung vom Juni, im November selbstverständlich wieder für das Amt des Parteivorsitzenden zu kandidieren, überhaupt Taten hätte folgen lassen - der Wähler hat am Sonntag aus dieser Frage eine rein akademische gemacht. Franz Müntefering hat sein Leben aus tiefster Überzeugung in den Dienst der SPD gestellt; auf dem Höhepunkt des Niederganges gehen zu müssen, wird persönliche Bitterkeit hinterlassen.

Münteferings politische Erben werden nun, im Scherbenhaufen ihres Scheiterns stehend, die Enttabuisierung der Linkspartei vorantreiben. Womöglich weniger aus innerer Überzeugtheit, gewiss aber der politischen Faktenlage folgend, ohne eine solche Bündnis-Option die Machtfrage erst gar nicht stellen zu können.

Ob ausgerechnet Frank-Walter Steinmeier eine solche Linkswende der SPD halbwegs authentisch zu verkörpern vermag, muss sich erst erweisen. Wahrscheinlicher ist, dass Hannelore Kraft in NRW schon bei der Landtagswahl im Mai nächsten Jahres offensiv mit einer rot-rot-grünen Strategie ins Rennen gehen wird. In diesem Fall erführe der Wähler im Unterschied zur Bundestagswahl, was denn die SPD tatsächlich will.

Aber auch Merkel und Westerwelle kennen diesen wichtigen Wahltermin: Deren schwarz-gelbes Regierungsprogramm wird allenfalls erste reformerische Akzente setzen, ansonsten aber in vager Unverbindlichkeit verharren. Denn: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Startseite