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Die Fronten verhärten sich

Uwe Peppenhorst

Münster. Ingrid Klimke gibt den Kampf um ihr Hongkong-Goldpferd FRH Butts Abraxxas nicht auf, hat im Streit mit Mitbesitzer Thomas Holtrop zunächst jedoch eine Niederlage erlitten. Weil Holtrop der Münsteranerin unter Androhung eines Antrags auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung die Zustimmung zum Start beim German Masters verweigerte, verzichtet die Mannschaft-VielseitigkeitsOlympiasiegerin darauf, den Wallach am morgigen Mittwoch in der Stuttgarter Schleyer-Halle zu satteln. „Dabei hätte ich Braxxi dem tollen Publikum in Stuttgart wirklich sehr gerne präsentiert“, so Klimke, die seit Wochen im Clinch mit dem Kölner liegt (wir berichteten).

Grund für den Streit ist die Absicht von Holtrop, seinen 80prozentigen Besitzanteil an dem elfjährigen Wallach zu verkaufen. Und zwar nicht an Ingrid Klimke, die die restlichen 20 Prozent hält, sondern an einen unbekannten Dritten. Über 400 000 Euro soll der angeblich bereit sein, für Abraxxas zu bezahlen. Eine Summe, die nicht nur Ingrid Klimke, sondern auch viele Kenner der Szene für utopisch ansehen. „So viel Geld ist noch nie für ein Vielseitigkeitspferd bezahlt worden“, so die 40-jährige Münsteranerin, die ihrerseits derzeit versucht, Sponsoren zu finden, die ihr helfen, Holtrops Besitzanteile zu erwerben. Und dabei sieht sie sich durchaus auch auf einem guten Wege. Voraussetzung sei allerdings, dass die Verkaufssumme sich in einem realistischen Rahmen bewege. Und ebendavon könne im Moment keine Rede sein.

Dies auch (oder vor allem) deshalb, weil es keineswegs sicher ist, dass Abraxxas unter einem anderen Reiter (oder einer anderen Reiterin) auch nur annähernd so erfolgreich wie unter Ingrid Klimke gehen würde. „Abraxxas ist in der Dressur nicht so einfach. Ich glaube nicht, dass ihn jemand anderes ohne weiteres reiten kann“, sagt beispielsweise Hans Melzer. Und der muss es eigentlich wissen. Immerhin ist er nicht nur Bundestrainer der deutschen „Buschreiter“, sondern war er es auch, der das Pferd vor einigen Jahren entdeckte und an Ingrid Klimke vermittelte.

Die Münsteranerin hat Abraxxas anschließend ausgebildet und über kleinere Prüfungen in den großen Sport gebracht. Erster Höhepunkt war vor einem Jahr der zehnte Platz bei der Europameisterschaft in Italien, Anfang August dieses Jahres folgte dann der mit Mannschafts-Gold und Platz fünf in der Einzelwertung belohnte große Auftritt bei den Olympischen Reiterspielen in Hongkong. „Dass das Pferd heute einen höheren Wert als vor knapp vier Jahren hat, als Thomas Holtrop und ich es gemeinsam gekauft haben, ist absolut unstrittig. Genauso unstrittig ist aus meiner Sicht aber auch, dass für diese Wertsteigerung ausschließlich ich verantwortlich bin“, sagt Ingrid Klimke und hofft nach wie vor auf eine späte, gütliche Einigung.

Und wenn die nicht zustande kommt? „Dann weiß ich im Augenblick wirklich nicht, wie es weiter geht“, so die Münsteranerin. Sicher weiß sie nur, dass Holtrop das Pferd laut dem vor knapp vier Jahren ausgehandelten Vertrag nach dem 31. Dezember verkaufen kann. Doch selbst, wenn er keinen Käufer fände, würde das nicht automatisch bedeuten, dass Ingrid Klimke ihr Erfolgspferd in Zukunft ohne Einschränkung reiten kann. Bestandteil des erwähnten Vertrags ist nämlich auch eine Klausel, dass Einsätze des Pferdes unter den Besitzern abgesprochen werden müssen.

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