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Die Gummistiefel-Inseln

Wer Urlaub auf einer Hallig macht, der sollte seine Gummistiefel immer in der Nähe haben. Dort bekommt man schnell nasse Füße, weil sie der Kraft des Wassers ziemlich schutzlos ausgeliefert sind. Deiche gibt es keine...

Stefan Werding

Wer Urlaub auf einer Hallig macht, der sollte seine Gummistiefel immer in der Nähe haben. Dort bekommt man schnell nasse Füße, weil sie der Kraft des Wassers ziemlich schutzlos ausgeliefert sind. Deiche gibt es keine, deswegen liegen die Häuser auf so genannten Warften, künstlich aufgeschütteten Hügeln, wo sie nicht bei jeder stärkeren Flut gleich unter Wasser geraten. Anders als eine Insel wird eine Hallig bei einer starken Flut bis auf die Warften überspült. In Deutschland gibt es zehn solcher Inselchen. Sie liegen alle bei Sylt und sind rund um die Insel Pellworm gruppiert.

Dass da trotzdem Menschen sind, hat viele Gründe. Die einen leben da schon so lange, dass sie sich ein Leben auf dem Festland und gar in einer Stadt überhaupt nicht mehr vorstellen können. Und in den Sommerferien kommen die, die auf dem Festland und womöglich in einer Stadt leben, weil sie ihre Ruhe haben wollen. Denn wenn es auf einer Hallig viel gibt, dann ist das – außer Wasser – nichts. Keine Schule, kein Geschäft, keine Autos. Selbst in der Kirche findet nur alle paar Wochen ein Gottesdienst statt.

Das Leben dort hängt ganz stark von Ebbe und Flut ab. Der einzige Weg zum Festland und zurück ist ein Gleis, das während der Flut im Wasser versinkt. Nur bei Ebbe kommt man mit einem Minizug mitten durchs Wattenmeer.

Die Halligen sind meistens die Überbleibsel von Festland oder Inseln, die bei Sturmfluten entstanden sind. Trotzdem spielen sie noch eine wichtige Rolle: Sie brechen die Wellen, die bei Sturmflut aufs Festland zubrausen. Dadurch ist die Gewalt der Wellen nicht ganz so groß.

Auf den Halligen leben weniger als 400 Menschen. Die meisten von ihnen verdienen ihr Geld mit Tourismus oder Schafzucht. Viel mehr lässt sich dort sowieso nicht machen. Weil das Salzwasser der Nordsee die Wiesen regelmäßig überflutetet, überleben dort nur Pflanzen, die das vertragen. Und Gerste und Weizen gehören nicht dazu.

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