1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Die „Jugend“ unter der Lupe

  6. >

Lenz-Thema

Die „Jugend“ unter der Lupe

wn

Volljährig ist man mit 18. Ist man dann auch erwachsen? Wie lange die Jugend dauert, was die Jugend ist und was „Jugendlichen“ überhaupt im Kopf herumgeistert, das versucht eine ganze Wissenschaftler-Riege herauszufinden. Rechtlich betrachtet ist das Ganze einfach. „Jugendlich“ ist, so legt es das Sozialgesetzbuch fest, „wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist“. Denn ab 14 ist man geschäftsfähig und hat noch ein paar andere rechtliche Konsequenzen zu fürchten, wenn man Mist baut.

„Jugend“ ist aber auch, wenn man Martina Gille vom Deutschen Jugendinstitut folgt, der Zeitraum von 12 bis 29 Jahren. Der Lebensabschnitt, in dem sich fast alles um Schule, Uni, Ausbildung und erste Berufserfahrungen dreht. Für die „Bravo“, die regelmäßig die Generation ihrer Leser untersucht, ist alles unter 12 Jahren Kind, alles über 19 Erwachsener. Die Macher der Jugendstudie JIM (Jugend, Information, (Multi-)Media) legen die Jugend zwischen 12 und 19 Jahre. Die Shell-Jugendstudie zählt von 12 und endet bei 25 Jahren. Zumindest über den Start der Jugend ist man sich also einig.

Aber wieso eigentlich? Prof. Dr. Klaus Hurrelmann hat nicht nur beeindruckende Titel vor seinem Namen stehen, sondern er ist seit fast zehn Jahren Hauptverantwortlicher für die Shell-Jugendstudie, eine der größten Studien über Jugend in Deutschland – und er liefert die simple Begründung, warum die Jugend mit 12 Jahren anfängt: Um das 12. Lebensjahr startet die Pubertät, Mädchen sind „potenzielle Mütter“ und Jungs „potenzielle Väter“. Dass sich das bei dem einen oder anderen nach vorn oder hinten verschiebt, bleibt dahingestellt. Was zählt, ist das Prinzip.

Die Jugend fängt also irgendwo bei 12 Jahren an und endet irgendwo zwischen 19 und 29

Das eigentliche Problem ist aber das Ende der „Jugend“. Problematisch, weil man früher das Ende der Jugend mit dem Auszug, mit Heirat und dem ersten Job gleichgesetzt hat. Vor 50 Jahren mag das mit 18 noch so ungefähr gepasst haben. Wer heute aber nach immer noch maximal 13 Jahren Schule zusätzlich fünf Jahre oder mehr an der Uni dranhängt, oder wer mit 16 anfängt zu arbeiten, dank der schlechten Arbeitsmarktbedingungen dann aber mit 22 wieder bei Muttern einziehen muss – wer ist erwachsen und wer nicht?

Die wissenschaftliche Forschung orientiert sich an Lebensabschnitten, die Marktforschung hat eher kleinere Raster – versucht ihre Produkte zu verkaufen. Darum ist die „Jugend“ bei der Bravo auch kleiner als die bei Shell und Co. Die Lebensabschnitte, an denen sich die Sozialwissenschaftler orientieren werden länger und länger. Da kann „die Jugend“ schon einmal bis knapp 30 andauern.

Die Jugend fängt also irgendwo bei 12 Jahren an und endet irgendwo zwischen 19 und 29. Aber warum interessiert das eigentlich? Hier gibt es zwei unterschiedliche Ansätze. Zum einen: Firmen wollen Jugendlichen etwas verkaufen. Wissenschaftler wollen verstehen, was wie warum funktioniert. Wenn sich Firmen und Wissenschaftler zusammentun – dann steckt meist so ein bisschen von beidem dahinter.

Startseite