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"Die kfd hat so viel zu bieten"

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Münster - Sie steht dem mit 620.000 Mitgliedern größten Frauenverband Deutschlands vor: Maria Theresia Opladen ist Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft kfd. Nichts gegen „Bunte Nachmittage“ oder Kaffeeklatsch - aber der Verband hat viel mehr zu bieten. Und das für Frauen aller Religionen, wie die 60-Jährige, die Donnerstag zu einer kfd-Veranstaltung in Münster war, im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Martin Ellerich betont.

Was macht kfd heute aus? Was ist für Sie der Kern?

Opladen: Ein Kern ist: kfd ist ein Ort für Frauen in der Kirche, wo sie sich treffen, ihren Glauben leben können, ihre weibliche Spiritualität, die anders ist als männliche. kfd ist auch ein Ort für Frauen, die auf der Suche sind nach Kirche. Aber eine andere Seite ist der gesellschaftspolitisch schlagkräftige Verband, der die Interessen von Frauen in der Gesellschaft vertritt.

Welche Frauen wünschen Sie für die kfd als Mitglieder zu gewinnen? Bei welchen Frauen sagen Sie: Davon brauchen wir viel mehr?

Opladen: Wenig haben wir vor allem die jüngeren Frauen. Unsere Mitglieder sind doch aus der Tradition heraus weit überwiegend über 60 und viel älter. Aber wir sind auch offen für Frauen, die nicht mehr dem traditionellen Frauenbild der Kirche entsprechen. Wir sind auch offen für Frauen, die alleinerziehend sind. Die in einer anderen Lebensgemeinschaft leben. Die keine Kinder haben. Und ich denke auch für Frauen anderer Religionen: Man muss nicht katholisch sein, um in der kfd mitarbeiten zu können. Das ist unsere Vorstellung, nur so können wir uns auch fortentwickeln.

Nun hat sich das Frauenbild gewandelt: Glaubt man dem Fernsehen, so ist das Leitbild heute eher das der jungen, selbstständigen Single-Frau, nicht mehr das der Hausfrau und Mutter. Wie macht sich das bemerkbar?

Opladen: Um es klarzustellen: Jung, selbstständig und beruflich erfolgreich zu sein schließt ja nun nicht das Katholische aus. Das kann sich sogar sehr gut ergänzen. Es ist auch unsere Aufgabe, zu zeigen, dass katholisch sein auch für junge Frauen ein prägendes Lebenselement sein kann. Wir müssen uns die Themen, die diese Frauen in der heutigen Realität bewegen - wie „Alleinerziehend“ - als Frauenverband zu eigen machen und da Position beziehen. Natürlich als Frauenverband, der auf einem katholischen Fundament steht. Damit sind wir auch für diese Frauen interessant. Wir haben so viel zu bieten.

Mancher - vor allem Mann - denkt bei „kfd“ an „Bunte Nachmittage“, Weltgebetstag, Kaffeeklatsch - was macht die kfd noch?

Opladen: (Wendet sich an die kfd-Frauen aus dem Diözesanteam Münster in der Runde:) Wie sieht es hier vor Ort aus?

Judith Everding: Natürlich machen wir wesentlich mehr. Wir machen nicht nur unsere Karnevalsveranstaltungen, unsere Wortgottesdienste, Mitarbeiterinnenrunde. Wir bearbeiten ökologische Themen...

Barbara Issel: ...wir haben das Thema Migration, den fairen Handel. Wir unterstützen das neue kfd-Rentenmodell, wo es besonders um die Grundsicherung für Frauen geht...

Marianne Urbanek-Westermann: ... die kfd ist aktiv bei der Schulaufgabenhilfe. Und natürlich bilden sich die Frauen fort - von Moderationskursen bis zu persönlichkeitsfördernden Kursen.

Sie verstehen sich auch als Interessenvertreterinnen für die Rechte der Frau. Wie ist da die Lage?

Opladen: Zwischen dem, was gesetzlich geregelt ist, und dem, was in der Realität an Gleichberechtigung stattfindet, ist doch noch ein Widerspruch. Deshalb sind wir bemüht, dass Frauen sich selber ertüchtigen, um in Ämter zu kommen, und die Gleichberechtigung wirklich wahrzunehmen. Wichtig sind aus meiner Sicht aber die Themen rund um den Lebensschutz. Das sind Themen, die wir vorantreiben sollten, weil wir da gemeinsam mit unserer Kirche eine eindeutige Position haben. Unsere Aufgabe ist auch, innerhalb der Kirche für Akzeptanz und - nicht Gleichberechtigung - aber zumindest Wertschätzung der Arbeit zu sorgen. Ich dringe darauf, dass die vielfältige Arbeit, die Frauen in der Kirche tun, auch wertgeschätzt wird - auf Dauer auch mit der Übertragung von Ämtern. Ich denke da nicht an das Priesteramt - aber zum Beispiel ans Diakonat der Frau.

Ist die kfd angesichts des gewandelten Frauenbildes noch zeitgemäß?

Opladen: Erst recht! Ich glaube, dass gerade die heutigen jungen Frauen das Bedürfnis nach Solidarität und Heimat haben. Das Eingebettet-Sein in den katholischen Glauben kann diese Heimat geben. Der Glaube ist ja nicht etwas, was man sonntags lebt, sondern ein Angebot für jeden Tag. Und so verstehe ich uns.

Die kfd hat die Beiträge erhöht, darüber hat es viel Aufregung gegeben - bis hin zur Drohung einzelner Ortsvereine auszutreten.

Opladen: Die Aufregung war groß - nicht nur in Münster. Aber jeder Cent mehr ist es wert! Der Bundesverband macht genau das, was die einzelne Frau nicht kann: Er trägt das, was uns gemeinsam bewegt, in der Öffentlichkeit vor. Wenn man gehört werden will, muss man sich mit anderen Frauen zusammentun. Damit die katholischen Vorstellungen weiter in dieser Gesellschaft präsent bleiben.

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