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Filmrezensionen

„Die kommenden Tage“: Apokalypse Deutschland

Hans Gerhold

Endzeitdramen haben angesichts von Flüchtlingsströmen, knapper werdenden Rohstoff-Ressourcen, der Ausbeutung der Dritten Welt, Umweltkatastrophen und zunehmender Auflösung einst stabiler sozialer Verbände wieder Konjunktur.

Die Themen werden, nach dem Apokalypse-Entwurf „The Road“, auch in der deutschen Zukunftsvision „Die kommenden Tage“ verhandelt, in der Lars Kraume („Keine Lieder ohne Liebe“) einen Blick ins Jahr 2020 wirft, wo Mi­granten in den Wäldern Einlass in die Enklave Europa suchen.

Laura (Bernadette Heerwagen) sucht mit ihrem Kind in den Bergen bei Ex-Freund Hans (Daniel Brühl) Unterschlupf. In Rückblenden erzählt der Film die acht Jahre zuvor einsetzende Geschichte von Laura und ihrer Schwester Cecilia (Johanna Wokalek).

Da sich Lauras Kinderwunsch wegen Hans inkompatibler Gene nicht erfüllt, lässt sie sich mit Konstantin (August Diehl) ein, dem Freund ihrer Schwester, die wie Konstantin für die Untergrundorganisation „Schwarze Stürme“ arbeitet. Cecilia soll einen Unbeteiligten umbringen, um Demonstranten gegen Polizisten aufzubringen.

In die Geschichte ungleicher Schwestern in der Revolution packt Kraume fast alles Unheil der Welt und spielt auf der politischen Ebene mit den zwiespältigen Motiven „guter Gewalt“.

Der Film mündet mit erstaunlicher Spannung und Wucht in einem spektakulären Showdown. Getragen vom stark aufspielenden Quartett mit Diehl als radikaler Revolutionär, Wokalek als fanatische Terroristin, Heerwagen als sanft-starke Frau und Brühl als Romantiker - ist „Die kommenden Tage“ ebenso starkes deutsches Kino.

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