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Die Kunst, noch zu lachen

Wilfried Sprenger

Berlin/Münster. Das Lachen ist Rieke Brink-Abeler noch nicht vergangen. Gelegentlich witzelt die Beachvolleyballerin sogar. Es ist der Versuch, sich irgendwie bei Laune zu halten – ein Drahtseilakt. Vermutlich brodelt im Innern der 28-Jährigen, gefühlt zwischen Magen und Herz, ein gewaltiger Vulkan.

Ja, Brink-Abeler und Partnerin Hella Jurich hatten sich diese Tage ganz anders vorgestellt. Beim Turnier der World Tour in Berlin wollten die Sandnixen angreifen und wertvolle Punkte sammeln für die Olympia-Qualifikation. Sie hätten Heimvorteil gehabt vor den Augen von guten Bekannten und nahen Verwandten. Alles ist anders gekommen. Seit Donnerstag sind die deutschen Ex-Meister aus den Reihen des USC Münster nur noch Zuschauer beim bunten und fröhlichen Treiben auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs.

Brink-Abeler hat um diese Gefahr gewusst. Platz fünf beim Turnier in der Vorwoche im polnischen Stare Jablonki bezahlte die Medizinstudentin mit einer Verletzung im Hüft- und Beckenbereich. Seitdem ist sie in orthopädischer Behandlung. Der Versuch, die Schmerzen zu ignorieren und in Berlin trotzdem zu starten, misslang. Nach der Auftakt-Begegnung im Vierer-Pool warf Brink-Abeler das Handtuch. „Es ging nicht. Es machte keinen Sinn“, erklärte sie enttäuscht.

Wie tief sitzt der Frust? Rieke Brink-Abeler möchte nicht wirklich darüber reden. Am Donnerstag schaute sie sich drei Männerspiele an, gestern war sie im Frauenlager, heute lässt sie sich in Paderborn behandeln. Sie weiß, dass sie bald wieder fit sein muss, wenn sie das große Ziel, die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking, nicht aus den Augen verlieren will.

Zwei deutsche Damenteams wird der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) im August nach Fernost entsenden. Es ist kein Wunschkonzert, nur eines zählt: Die Ranglistenposition nach dem Turnier in Marseille (14. bis 20. Juli). In Frankreich bietet sich allen Teams die ultimativ letzte Möglichkeit, Punkte zu sammeln. Zuvor macht die World Tour noch bei den Grand Slams in Paris, Stavanger und Moskau Station. Zwischen Moskau und Marseille werden in Hamburg noch die Europameisterschaften ausgetragen.

Nach aktuellem Stand der Dinge wären Brink-Abeler und Jurich in Peking nicht dabei. Vor dem Turnier in Berlin lagen sie mit exakt 3000 Zählern hinter Sara Goller/Laura Ludwig (Berlin/3530 Punkte) und Stephanie Pohl/Okka Rau (Hamburg/3010) auf Rang drei. Pohl/Rau stockten ihr Konto in der Hauptstadt auf. Was Brink-Abeler und Jurich in Zugzwang gebracht hat. Sie wissen, dass sie kontern müssen. Brink-Abeler gibt sich kämpferisch. „Noch haben wir alles selbst in der Hand“, sagt sie.

Die Hoffnung lebt. Vielleicht kehren die Münsteranerinnen ja schon nächste Woche in Paris auf die Tour zurück. „Die Schmerzen sind zurückgegangen. Es geht langsam voran“, erklärt Brink-Abeler. Sie ist optimistisch, denkt positiv. Aber hat sie eine Wahl?

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