1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Die nächste Konsolen-Generation muss kompletter sein

  6. >

Archiv

Die nächste Konsolen-Generation muss kompletter sein

wn

Es wäre auch zu schön: Konsole anschließen, Freunde anrufen, eintauchen in virtuelle Welten und bis zum Morgengrauen nicht mehr aufhören. Doch so einfach ist es nicht – davon können Besitzer der führenden Spielkisten ein Lied singen. Denn in den Paketen der Hersteller liegen oftmals neben der Konsole und einem Controller allenfalls noch ein Kabel, das mit Glück mit dem Fernseher kompatibel ist, und als besondere Dreingabe ein Spiel.

Einer der Marktführer ist bekanntlich die „Playstation 3“ (Preis: etwa 550 Euro). Ihre Verkaufszahlen liegen derzeit im europäischen Raum noch weit hinter denen der „Wii“ und in Japan hinter denen der „Xbox 360“. Auch die mitgelieferten Einzelteile lassen zu wünschen übrig. Wer gegen menschliche Gegner spielen möchte, braucht einen zweiten Controller für knapp 50 Euro. Wer zudem die Qualität der PS3 ausnutzen will, sollte nicht zum im Paket enthaltenen TV-Kabel greifen, sondern sich ein 35 Euro teueres HDMI-Kabel zulegen, das aus hochauflösenden Fernsehern das Maximum herausholt.

Da Sony sein Prachtstück zudem als Medienzentrum versteht, wäre eine Fernbedienung (etwa 30 Euro) ratsam. Zwar lassen sich auch mit dem Gamepad Fotos anschauen und Lieder abspielen, aber der Gemütlichkeit ist dieser Umstand nicht gerade zuträglich.

Von Sony gab es dazu kein mündliches Statement. Daniel Blank von der Agentur Edelman, die die Pressearbeit für die „Xbox“ betreibt, hält aber einige Erklärungen für die schmalen Pakete der Konsolen-Hersteller parat: „Die Preise bei den Konsolen sind knapp kalkuliert.“ Zwar will er nicht von einem „Konkurrenzkampf“ mit den anderen Herstellern sprechen. Wohl aber davon, dass der „Endverbraucher nicht den Aufwand an Entwicklung sieht“. Daniel Blank vergleicht die „Xbox“ mit einem Auto: „Man kann sich ja auch eine Klimaanlage dazukaufen“.

Dennoch ist es bei dem „Xbox Core System“ (Preis: etwa 320 Euro) nicht viel anders als beim direkten Kontrahenten PS3: Im Lieferumfang fehlt ein zweiter Controller (40 Euro). Eine Festplatte hat Microsoft erst gar nicht eingebaut, was das Speichern von Spielständen unmöglich macht. Sie ist erst in der 100 Euro teueren „Premium Edition“ inklusive.

Aber selbst wenn ein zweiter Controller erstanden ist, müssen entweder ständig neue Batterien oder gleich ein neues Ladegerät her. „Charge and play kit“ heißt das 20 Euro teuere Gerät im Microsoft-Jargon.

Sascha Knapik, der die Webseite „Xboxworld“ betreibt, zählt noch den Online-Dienst „Xbox live“ hinzu, der pro Jahr 50 Euro zusätzlich kostet: „Viele unterschätzen den.“ Für diesen Obolus dürfen die Gamer online ihre Lieblingsspiele zocken und sich im Sprachchat miteinander unterhalten. Wer aber Erweiterungen für seine Games herunterladen möchte – zusätzliche Level zum Beispiel –, zahlt noch drauf.

Wie sollte es anders sein: Auch die so hoch gelobte „Wii“-Konsole ist nicht ganz frei von fehlenden Zusätzen. Im knapp 250 Euro teueren Paket ist auch nur ein Controller enthalten. Zwar liegt ein sogenanntes „Nunchuk“ bei – ein handliches Spielgerät für Sport-Games – doch Begegnungen Mensch gegen Mensch sind ohne ein zweites Exemplar (knapp 25 Euro) samt einer weiteren Fernbedienung (45 Euro), an die es angeschlossen wird, unmöglich. Dennoch, betont eine Pressesprecherin von Nintendo, sehe man sich „in der Schlacht der Konsolen außen vor“. Bei der „Wii“ gehe es nicht um die schönste Grafik und den besten Sound. Das pure Spielvergnügen stehe im Vordergrund.

Ganz so locker-leicht spielt es sich in der Konsolenwelt also nicht. Vielleicht ist die Bezeichnung „Next-Generation-Konsole“ erst dann gerechtfertigt, wenn die Hersteller nicht mehr am Zubehör sparen. Zumindest ein zweiter Controller sollte drin sein.

Startseite