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Die Nato möchte ihre Hauptquartiere reduzieren - Folgen für Korps in Münster?

Elmar Ries

Münster - Ein halbes Jahr war das Gros des in Münster stationierten Deutsch-Niederländisches Korps in Afghanistan eingesetzt, seit ein paar Wochen sind die Soldaten wieder daheim, gottlob alle unverletzt. Am Montag begann für sie der militärische Alltag im Nato-Hauptquartier - mit ei­nem kleinen Empfang.

Alles wieder gut, alles wieder ruhiger, alles beim Alten in der Kaserne am Hindenburgplatz?

Für den Augenblick ja, auch wenn das Korps noch immer ohne Kommandeur dasteht, nachdem General Vol­ker Wieker infolge der Kundus-Affäre zum Generalinspekteur befördert wurde. Der neue Chef in Münster wird am 13. April eingeführt, ein Niederländer soll es sein, das ist sicher. Und wie das immer so ist, kursieren im Vorfeld etliche Namen. „Ich kenne all die Gerüchte“, sagt Oberstleutnant Siegfried Houben, der Korps-Sprecher. Gleichwohl gelte: Der Wieker-Nachfolger sei definitiv noch nicht ernannt.

Von den anderen Gerüchten aber, dem geräuschvollen Hörensagen in Berlin und Brüssel, möchten Houben und seine Kollegen in Münster derzeit vielleicht gar nicht so gerne etwas erfahren. In dem vielstimmigen Rauschen, das wie üblich aus Ankündigungen, vagen Andeutungen und herausgelesenen Ahnungen besteht, lässt sich eines heraushören: Vor allem die Nato, aber eben auch die Niederländer und die Bundesrepublik wollen sich militärisch neu aufstellen. Erstere aus Gründen operativer Notwendigkeiten. Letztgenannte auch aus Sparzwang.

In Brüssel denken einige Na­to-Obere gegenwärtig über die Zukunft ihrer schnell verlegbaren Hauptquartiere nach. Eine Option: Ihre Zahl von derzeit sieben auf womöglich fünf zu reduzieren. Deutschland, an immerhin dreien beteiligt, könnte sich bei diesem Planspiel vorstellen, sein Engagement auf künftig zwei zu reduzieren, heißt es dazu in Berlin.

Zur Disposition stünde, so ist zu hören, möglicherweise das Deutsch-Niederländische Korps. „Es werden immer wieder neue Gedankengänge eingebracht“, sagt vage ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. „Belastbares gibt es da aber noch nicht.“ Ein Dementi klingt anders.

Am Hindenburg-Platz weiß man von derlei Gedankenspielen offiziell nichts, kein Wunder: „Wir waren in den vergangenen Monaten vollauf mit dem Afghanistan-Einsatz beschäftigt“, sagt Houben.

Sicher scheint zu sein, dass die Niederlande unbedingt an „ihrem“ Korps festhalten wollen. „Wir haben nur das eine, es ist unser Zugang, an Nato-Missionen teilhaben zu können“, sagt Oberstleutnant Ronald Weemering, der Vize-Korps-Sprecher. Im Klartext: Über das Hauptquartier haben die Niederländer militärisch ei­nen Fuß in der Bündnis-Tür. So ein Pfund verspielt man nicht. Gleichwohl gilt: Auch das Nachbarland muss den Gürtel enger schnallen, gespart wird auch beim Militär.

Die Reduktion der Hauptquartiere auf fünf, das ist die eine Überlegung, sie zudem zu spezialisieren, eine, die eventuell darauf aufbaut. Weil fünf (oder sieben), die alles können, weniger effektiv sind, als mehrere die sich spezialisieren - auf die Ausbildung der anderen, auf Kriseneinsätze in extremen Regionen, auf Missi­onen nach Naturkatastrophen. Bleibt das Hauptquartier in Münster bestehen, könnte es eine Art „Center of Excellence“ werden - also die anderen Hauptquartiere schulen. Im Sommer soll sich der Nebel ein wenig lichten.

Im Amt ist dann jedenfalls der neue Kommandeur. Favorit auf der Liste der Gerüchte ist übrigens derzeit Ton van Loon, Generalmajor und derzeit Stabschef im Nato-Hauptquartier Heidelberg.

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