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Filmrezensionen

„Die Piloten“: Talkshow-Simulation

Gian-Philip Andreas

Anfang 2007 lud Regisseur Christof Schlingensief zu einer Kunstaktion in die Akademie der Künste in Berlin: Als Kommentar zum Mediengeschwätz auf allen Kanälen inszenierte er sechs „Pilot“-Folgen einer Talkshow, die „nie gesendet“ werden soll.

Literat Rolf Hochhuth, Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, Chorleiter Gotthilf Fischer, Masken-Rapper Sido, Politikerin Claudia Roth, Moderatorin Lea Rosh: Talkshow-erprobte Prominente wie diese nahmen ebenso auf Schlingensiefs zugerümpelter Drehbühne Platz wie „unechte“ Prominente, die offensichtlich erfundene Leidensgeschichten („gemobbt in der Charité“) zum Besten gaben.

Doch Medienkritik mit den Mitteln des Mediums ist immer ein zweischneidiges Schwert, und auch dieser Film von Cordula Kablitz-Post kann diesem Zwiespalt nicht ganz entrinnen: Allein dadurch, dass sie das streckenweise herrlich irrsinnige Talk-Gebrabbel von Anfang an mitschnitt, ist die Vorgabe des „nie Gesendeten“ natürlich Makulatur. Im Fokus von Schlingensiefs Aktion steht die Authentizitätsfrage: Was ist noch „echt“ in den Medien, und wenn es wirklich echt ist, hat es dann noch die Wirkung des Echten?

Zum Zeitpunkt der Aufnahme lag Schlingensiefs Vater im Sterben, und beim Gespräch darüber kommen dem Künstler, der damals von seiner eigenen Krebsdiagnose noch nichts wusste, jedenfalls ganz ungekünstelt die Tränen.

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