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"Die Sims 3": Ansprüche an Mensch und Technik

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Der braunhaarige Athlet mit dem Hang zu tiefsinnigen Büchern mault. Über seinem Kopf schwebt eine Sprechblase, auf der eine Toilette abgebildet ist. Na klar: Der Klogang ist fällig. Aber danach nicht vergessen, die Hände zu waschen. Sonst geht das Gejaule von vorne los. Hunger hat er übrigens auch, Fernsehen würde er dabei gerne, die Rechnungen müssen aber noch bezahlt werden, und in spätestens drei Stunden ist Schlafenszeit. Wie kann etwas, das im realen Leben denkbar öde sein kann, in der virtuellen Welt stundenlang Spaß machen? Da mussten erst die "Sims" kommen und zeigen, dass Alltagspflichten sogar Inhalt eines PC-Games sein können. Das erfolgreichste Spiel aller Zeiten geht dieser Tage in die dritte Runde.

Müßig zu erklären, dass sich am Spielprinzip nichts geändert hat. Ein Sim bekommt zunächst ein Aussehen, Kleidung und Charaktereigenschaften spendiert, zieht danach in ein Haus ein und darf sich - nach einem ausgiebigen Möbeleinkauf - um Karriere, Freunde, Liebe, Spaß und das eigene Wohlbefinden kümmern. Oder vielmehr: Der Spieler darf sich darum kümmern, indem er seinem Sim mit einfachen Handlungsanweisungen einen Schubs in die richtige Richtung gibt: Geh schlafen! Koch dir was zu essen! Triff deine Freunde!

Die ganze Sim-Welt, das ist das herausstechendste Merkmal von "Sims 3", ist gewachsen. Der Spieler hat nicht nur die Hoheit über einen Sim, sein Haus und seine Familie. Er kann die gesamte Stadt "Sunset Valley" erkunden. Dort leben und arbeiten selbstverständlich weitere Sims, die man zwar noch immer nach Hause einladen, aber auch im Fitness-Studio, im Bistro, in der Bibliothek oder im Theater kennenlernen kann. Die Sprache ist nach wie vor das Kauderwelsch "Simlish", das aber durch überschwängliche Gesten verständlich wird.

Das ist für Sims-Einsteiger zunächst ziemlich überfordernd. Abgesehen vom sehr ausführlichen Tutorial bleibt kaum Zeit, sich zunächst an den Spieltakt zu gewöhnen. Der eigene Sim will sofort verhätschelt und bespaßt werden, quengelt unaufhörlich, und stapft selbständig los, wenn er nicht seinen Willen kriegt. Einen Job will er, Freunde will er, Geld und Macht will er. Am besten alles auf einmal. Doch wenn die ersten anstregenden Stunden überstanden sind, offenbart sich ein Universum der Möglichkeiten, durch das der Spieler seinen Sim manövrieren kann, bis er am Totenbett von ihm Abschied nehmen muss.

Die Grafik ist viel innerhalb der vergangenen neun Jahre zu allerersten Teil detallierter geworden, auch die Bewegungen der Sims erscheinen vielfältiger und realistischer. Die Soundkulisse, die schon bei den Vorgängern überragend war, ist nicht weniger als eine akustische Wucht. Der mehrstufige Zoom reicht von der Stadtansicht bis zum Couchmuster. Dafür braucht es aber einen leistungsstarken PC: Ein Zwei-Gigahertz-Prozessor und ein dicker Ein-Gigabyte-Arbeitsspeicher sind das Minimum. Wenn diese Anforderungen vorhanden sind, stapft der Athlet-Sim flüssig durch seine kleine Welt - und der Spieler kann sie mit ihm gemeinsam erleben.

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