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Vor der Kommunalwahl

Die SPD-Mannschaft steht

wn

Neuenkirchen. Die SPD-Mannschaft für die Kommunalwahl am 30. August steht. Die Sozialdemokraten wählen am Dienstagabend ihre Kandidaten für die 13 Wahlbezirke. Große Überraschungen blieben dabei aus.

Angeführt wird die Reserveliste von SPD-Chef und Bürgermeisterkandidat Uwe Fischer, gefolgt von Erika Koße auf Platz 2, Wolfgang Strotmann (3), Annette Kindt (4), Peter-Ulrich Wiesmann (5) und Doris Hüging (6). Bei der letzten Kommunalwahl zogen die ersten fünf SPD-Kandidaten von der Reserveliste in den Rat, da die SPD keinen der 13 Wahlbezirke direkt holen konnte.

Bedeutendste Änderung in den Personalien ist der Rückzug von Dietmar Lakering (60), der nach 40 Jahren in der Kommunalpolitik zwar noch zur Wahl antritt, aber mit Listenplatz 12 wohl nicht in den nächsten Rat einziehen wird – es sei denn, er holt seinen Wahlbezirk 2 direkt. Weiter nach oben auf die Liste rückt Peter-Ulrich Wiesmann.

„Es ist Zeit für Veränderungen in Neuenkirchen“, sagte Bürgermeisterkandidat Uwe Fischer vor 27 der 66 SPD-Mitglieder am Dienstag im Café Jedermann. Nachdem er intensiv auf den Ausgang der Europawahl eingegangen war, rief er seine Mitglieder auf, sich „ins Zeug zu legen“ für eine hohe Wahlbeteiligung. „Wir wollen in den kommenden fünf und sechs Jahren nicht nur sparen oder zusätzliches Geld für Wirtschaftswege ausgeben, sondern Neuenkirchen durch innovative finanzierbare Lösungen mit Bürgerbeteiligung voranbringen“, sagte Fischer. Als Beispiele „gelungener SPD-Politik“ nannte der Vorsitzende die Beleuchtung von St. Anna, das Kids-Projekt (aus dem die SPD fünf Neumitglieder unter 18 Jahren gewonnen hat) sowie das Radwegenetz und Tempo 30 im Ortskern.

Jürgen Coße sog Hoffnung für die Neuenkirchener SPD aus der Tatsache, dass er einer von zwei Europakandidaten in NRW war, die Zugewinne verbuchen konnten. Während die SPD am 7. Juni 2,4 Prozent in Neuenkirchen zulegte, verlor die örtliche CDU 9,1 Prozent. „Diesen Trend müssen wir uns erhalten. Die CDU wird ihre absolute Mehrheit verlieren“, zeigte sich Coße kämpferisch. Er forderte die Neuenkirchener Genossen auf, „Klinken zu putzen“, nicht das „Blaue vom Himmel“ zu versprechen und auf die Probleme der Bürger zu hören.

Einen Seitenhieb auf den FDP-Vorsitzenden Joachim Koch konnte sich Coße nicht verkneifen: „Eigentlich sagt man: Politik verdirbt den Charakter. Für den Mann gilt: Schlechte Charaktere verderben die Politik.“

Die Wahlbezirks-Kandidaten:

Reserveliste:

KOMMENTAR

Dem Tiger fehlen die Zähne

Das war zu wenig, Uwe Fischer. Dem Tiger fehlen die Zähne. Wer ins Rathaus will – wer wirklich ab Oktober auf dem Bürgermeistersessel sitzen will – der muss anders zubeißen als der SPD-Chef und Bürgermeisterkanidat am Dienstagabend. Eine Kampfansage jedenfalls sieht anders aus.

Die Rede, die die Genossen aufrütteln sollte, war langweilig, langatmig, lahm. Es reißt niemanden vom Hocker, elend lang die Europawahl zu analysieren und auf die Medien zu schimpfen, die das schlechte Ergebnis der SPD nicht gut genug verkauft hätten. Und wenn man schon darauf abzielt, mehr Wähler für die Kommunalwahl zu gewinnen, dann muss etwas Entscheidendes folgen: eine Kampfansage an den politischen Gegner. Doch die fehlte in der Rede Uwe Fischers am Dienstag völlig. Ein paar Erinnerungen an schlappe SPD-Anträge und die Feststellung: „Es ist Zeit für Veränderungen in Neuenkirchen“ war schon alles, was die Genossen auf den Wahlkampf-Weg mitbekamen. „Ich gehe davon aus, dass sämtliche Mitglieder die Veränderung wollen und uns im Wahlkampf unterstützen.“ Na dann ist ja alles klar, Uwe Fischer. Aufrütteln und mitreißen hört sich anders an.

Gut, dass die Genossen wenigstes Jürgen Coße haben. Der mittlerweile erfahrene Wahlkämpfer, kaum erholt von der Ochsentour Europawahl, machte zwischen zwei Wahlgängen vor, wie sich eine Wahlkampfrede anzuhören hat: die CDU bei den hohen Wahlverlusten packen, ihnen den Verlust der absoluten Mehrheit prophezeien, ihr Untätigkeit vorwerfen, für innerparteilichen Optimismus sorgen („Einen solchen Zuwachs wie wir hat keine Partei in Neuenkirchen!“), die Mitglieder zum Klinkenputzen auffordern und – weil’s so einfach ist – dem FDP-Koch einen vor den Latz knallen.

So ist Wahlkampf nun mal. Aber das, Uwe Fischer, wollen die Genossen eigentlich von ihrem Mann für den Bürgermeistersessel hören.

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