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Die Tochter brachte alles ins Rollen

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Münster. Golf, Tennis oder Yoga – angesagte Sportarten, nicht nur bei jungen Bewegungsfreunden. Auch bei den Sportlern jenseits der 40 finden diese Körperertüchtigungen großen Anklang. Birgit Kreimer fährt da eine ganz andere Schiene. Besser gesagt fährt sie auf den Rollen ihrer Inline-Skates – und zwar so erfolgreich, dass sie am 27. Juli an den Europameisterschaften der Inlineskater (Marathondistanz) in Gera teilnehmen wird.

Durch einen sechsten und einen achten Platz bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften hatte sich die 49-Jährige für das Nationalteam qualifiziert. Zwei Plätze unter den besten Acht in ihrer Altersklasse (50) waren dafür von Nöten. Und nun darf sich Kreimer nicht nur über die Nominierung zur EM, sondern auch für die Weltmeisterschaften Ende September in Pescara (Italien) freuen.

Angefangen hatte alles ziemlich banal, als Kreimer ihrer Tochter vor sieben Jahren „Inlines“ kaufte und für sich selbst auch gleich ein Paar mitnahm. „Von diesem Zeitpunkt an bin ich dabei geblieben“, blickt sie zurück. Ein Jahr später meldete sie sich für ihren ersten Skate-Marathon (2:59 Stunden) an und war direkt fasziniert: „Nach dem Rennen bin ich sofort ins Netz und habe mich erkundigt, wo man hier im Verein skaten kann.“ Seither ist der ISC Münster ihre sportliche Heimat, obwohl die Ausdauerathletin arbeitsbedingt nur wenig Zeit findet, im Team zu trainieren. „Ich muss mein Training selbst koordinieren“, erklärt die Selbstständige. Froh sei sie darüber, dass auch ihr Freund Skating-Wettkämpfe bestreite, denn so könne man sich gegenseitig motivieren. Bei einem Trainingspensum von vier bis fünf Einheiten und 20 bis 60 Kilometern pro Woche ist das auch nötig.

Die Qualifikation für die Europameisterschaft musste sich die Skaterin hart erarbeiten, zumal sie verletzt in das zweite Rennen ging. „Ich habe mich mit einer Knöchelverletzung und Dickdarmentzündung ins Ziel gequält und bin gerade so Achte geworden“, erinnert sich Kreimer, die immer noch mit dickem Knöchel trainiert, an die Deutschen Meisterschaften. Aufgrund dieser Verletzung sei sie froh, dass sie überhaupt an der EM teilnehmen könne. Doch trotz aller Zurückhaltung aufgrund des schmerzenden Sprunggelenks hegt die Ausdauersportlerin doch ambitionierte Ziele: „Ich würde gerne unter die ersten Zehn meiner Altersklasse kommen, aber die Konkurrenz ist sehr stark. Vor allem aus Skandinavien und Italien.“

Zur Vorbereitung auf dieses sportliche Highlight reist Birgit Kreimer heute ins Trainingslager ins südwestliche Brandenburg. Dort steht ihr auf der so genannten „Flaeming-Skate“ ein fast 100 Kilometer langer Rundkurs zur Verfügung – prädestiniert für eine perfekte Wettkampfvorbereitung. Eine Woche später trifft sich das Nationalteam am Wettkampfvorabend zum gemeinsamen Abendessen in Gera. „Das löst hoffentlich ein wenig die Anspannung“, hofft die 49-Jährige, die sich selbst als „hypernervös“ bezeichnet. Nach der Weltmeisterschaft im September soll aber noch lange nicht Schluss sein. Die Ältesten in Kreimers Team sind um die 70, es besteht also keine Eile. „So lange es Spaß macht“, lacht Birgit Kreimer: „Ende offen.“

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