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Film-Specials

Die unendlichen Weiten des Weltalls

Mal ehrlich: Die wirklich spannenden und innovativen Mythen sind nicht die in die Vergangenheit gerichteten behäbigen der Fantasy, wo Frodo Plattfluß, King Dirty Old Ape Kong, Harry Scarface Potter oder die Feministinnen von Avalon auf Besen reiten...

Hans Gerhold

Mal ehrlich: Die wirklich spannenden und innovativen Mythen sind nicht die in die Vergangenheit gerichteten behäbigen der Fantasy, wo Frodo Plattfluß, King Dirty Old Ape Kong, Harry Scarface Potter oder die Feministinnen von Avalon auf Besen reiten, die bei der kleinsten Berührung von John Steeds Melone zu Staub zerfallen (in einer Episode mit Tara King). Nein, spektakuläre, aufregende und tatsächlich neugierig machende Mythen müssen qua Logik die in die Zukunft gerichteten unumkehrbaren Entwicklungen der Science Fiction sein.

„Star Trek“ ist - das wird von einem „Matrix“-Fan geschrieben - der kategorische Imperativ der SF. Was in billig produzierten TV-Serien, ihren Ablegern und elf Kinofilmen geleistet wurde, ist ein zwar labyrinthisches (wo gabs die Duschszenen mit BElanna?) aber begehbares Universum, das Gene Roddenberrys Idee der multiethnischen Vielvölkergemeinschaft pflegte, die Abweichlern eine Chance gab (die erotische Borg-Königin) und historische (die Western-Trecks) und biblische (Reise ins Gelobte Land) Subtexte pflegte. Dabei war es zu Beginn nur Weltraum-Pop.

Dass das Universum auch anstaubte und Kirks Bauch runder wurde, tut da nichts zur Sache. Die Gemeinde wuchs, die Darsteller hatten ihr Auskommen, Paramount ein Franchise, an dem man werkeln konnte. Beamen will jeder, Warp-Antrieb auch (außer bei Opel), Strahlenwaffen leuchten von „Star Wars“ bis Pro Sieben, und wenn die neuen Macher nicht nur auf Maschinen setzen (das ist Terminator- und Matrix-Chefsache), dann sollen die tollkühnen Raumschiffer in ihren schnurrigen Kisten gern bis in alle Ewigkeit durch die unendlichen Weiten des Weltalls torkeln. Chapeau!

Die beste Parodie ist nach wie vor „Galaxy Quest“ aus dem Jahr 1999.

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