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Die USA nehmen den Jemen ins Fadenkreuz

unserem Korrespondenten Friedemann Diederichs

Washington - Wenn Barack Obama heute die Chefs der Geheimdienste zum „Sicherheitsgipfel“ bittet, geht es für den US-Präsidenten nicht nur um Konsequenzen aus dem gescheiterten Terroranschlag vom Weihnachtstag und die Frage des Umgang mit dem Jemen. Denn Obama muss auch Oberwasser in der Debatte zurückgewinnen. Die Republikaner versuchen, den Präsidenten in eine politisch gefährliche Ecke zu manövrieren. Gelingt ihnen der Nachweis, dass das Weiße Haus schwach im Kampf gegen den Terror ist, droht den Demokraten nicht nur der Verlust der Kongressmehrheit in diesem Jahr, sondern Obama auch eine Ohrfeige im Rennen um seine Wiederwahl 2012.

Dass die Attacke auf den Northwest/Delta Flug 253 ein klares Warnzeichen für die Handlungsfähigkeit der Terrororganisation El Kaida ist, räumte Obama am Wochenende in seiner Botschaft an die Nation ein. Der Präsident bestätigte damit Vermutungen über eine enge Verbindung zwischen dem 23-jährigen nigerianischen Attentäter und einer El-Kaida-„Filiale“ im Jemen. Obama korrigierte auch seine erste Aussage nach dem Anschlag, es habe sich um einen „isolierten Extremisten“ gehandelt. El-Kaida-Mitglieder im Jemen hätten Abdulmutallab ausgebildet und mit der Tat beauftragte, so Obama. Er steht nun unter Zugzwang, nachdem er „Konsequenzen“ angedroht hatte.

Doch die Schließung der Botschaften der USA und Großbritanniens im Jemen aus Furcht vor Anschlägen zeigte gestern, dass dies keine leichte Aufgabe sein wird: Die Zahl der dort aktiven „El-Kaida“-Terroristen wird auf mehrere hundert geschätzt. Eine Verdoppelung der Militärhilfe und Zuschüsse für eine Polizei-Sondereinheit sollen nun die Regierung im Jemen zu stärkerer Kooperation veranlassen, die Angriffe mit Drohnen und Marschflugkörpern will man ausweiten. Eine neue Front im Kampf gegen den Terror wolle man dort aber nicht eröffnen, betonte gestern Obamas Berater John Brennan. Bodentruppen sind also vorerst nicht geplant.

Unterdessen rügen Republikaner, dass das Weiße Haus den Airbus-Attentäter nicht nach Guantanamo bringe und als „feindlichen Kämpfer“ einstufe, sondern ihn als einen gewöhnlichen Kriminellen behandele.

Ein weiterer Vorwurf geht in Richtung Geheimniskrämerei: Im Pentagon liegt eine neue Studie zur heiklen Frage, wie viele frühere Guantanamo-Insassen sich wieder als Extremisten betätigen. Mindestens zwei von ihnen sollen El-Kaida-Führungspositionen im Jemen innehaben.

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