1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Die volle Freiheit suchen

  6. >

WN_Mobile_Film

Die volle Freiheit suchen

Hans Gerhold

Er stößt alle vor den Kopf, der Held von Sean Penns „In die Wildnis“, einem rauschhaften Abenteuerfilm, der bis zum letzten Fußabdruck den Spuren von Christopher McCandles folgt. Der, hervorragender Schüler und Sportler, verbrannte 1990 mit 22 Jahren nach dem Studienabschluss Pass und Geld und ließ sein bisheriges Leben hinter sich.

McCandles, der sich nach einem Buch, das er gelesen hatte, fortan Alexander Supertramp nannte, verschwand spurlos und wurde zwei Jahre später, ein paar Kilometer von einem Highway entfernt, in der Wildnis von Alaska von Wanderern gefunden. Alexander war verhungert, nach dem er Beeren gegessen hatte, die ihn paralysierten. Der von Jon Krakauer über Alexander geschriebene Tatsachenroman „Into the Wild“ (dt. bei Piper) avancierte zum Bestseller und gilt in den USA mit Jack Kerouacs „On the Road – Unterwegs“ als Aussteiger-Bibel.

Sean Penn folgt der Marschroute Alexanders von Kalifornien über den Grand Canyon, Mexiko und Washington bis nach Alaska und zu jenem Buswrack, in dem er einige Zeit lebte, das zum Kultobjekt für Wanderer und Aussteiger geworden ist, die Geschenke aller Art hinterlassen.

Emile Hirsch („Dogtown Boys“, mit Heath Ledger) ist ein großartigen Darsteller, der mit der Rolle verschmilzt und von allen, die ihm begegnen, sofort ins Herz geschlossen wird. Zu ihnen gehören zwei Skandinavier, ein Vorarbeiter, eine Hippie-Nymphe und ein einsamer Witwer (Hal Holbrook in der besten Szene des Films), der durch den Jungen wieder Lebensfreude schöpft.

Sieht man von reichlich Lagerfeuerromantik ab, kommen die, die rauschhaftes Kino lieben, auf ihre Kosten – Freunde von Landschaftsaufnahmen und Folksongs von Eddie Vedder (von Paerl Jam) sowieso. Mit dem Mythos des Aussteigers, der die volle Freiheit sucht, identifiziert sich der Film total – trotz bitteren Endes. Sehenswert.

Startseite