1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Die Waschkraft macht sie so ergiebig

  6. >

Politik Inland

Die Waschkraft macht sie so ergiebig

unserem Korrespondenten Franz Ludwig Averdunk

Berlin - Geldwäsche - die unbekannte Größe in der Kriminalität. Die „neuesten Techniken“ kenne wohl allein eine Personengruppe: „die Täter“. Davon ist Jochen Sanio, der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überzeugt. Und über den wahren Umfang des kriminellen Geschäfts haben die Sicherheitsbehörden nur eine vage Vorstellung: „Das Dunkelfeld ist sehr groß“, so Jörg Ziercke, der Präsident des Bundeskriminalamtes.

Selbst bei harten Zahlen bleibt offen, ob sie Gutes oder Beunruhigendes verheißen. So gab es zwar weniger Verdachtsanzeigen, die beispielsweise Banken erstatten müssen, wenn ihnen Transaktionen nicht koscher vorkommen: 7349 waren es 2008 - gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 19 Prozent.

Aber warum die Abnahme? Weil Deutschland von Geldwäsche-Ganoven wegen Ermittlungsdrucks stärker gemieden wird? Oder doch eher, weil die Täter, denen Sanio ein „Höchstmaß an Kreativität“ bescheinigt, mit ihren Methoden nochmals raffinierter geworden sind?

Ohnehin spielt die streng abgeschottete Organisierte Kriminalität eine Hauptrolle bei der Geldwäsche. Ziercke berichtet von aufgeklärten Fällen: Geld, das die Russen-Mafia mit Auftragsmorden oder Schutzgelderpressungen einnahm, floss in Deutschland in Immobilien und Firmenbeteiligungen. Sanio verweist darauf, dass oft mehrere „Vorwaschgänge“ in Staaten liefen, die weniger rigoros gegen Geldwäsche vorgehen. Wenn dann der abschließende „Hauptwaschgang“ in Deutschland vorgenommen werde, sei der kriminelle Hintergrund womöglich nicht mehr zu erkennen.

Und dann nicht selten die Ohnmacht der Ermittler: Überweisungen würden „mit Mausklick rund um die Welt“ getätigt: „Wir laufen mit Rechtshilfeersuchen hinterher“, klagen die BKA-Spezialisten von der Zentralstelle für Verdachtsanzeigen mit dem Kürzel FIU (Financial Intelligence Unit). Ziercke sorgt sich, in diesen Zeiten der Wirtschaftskrise sinke eventuell „die Hemmschwelle, mit kriminellen Geldern zu agieren“, wenn es um das Überleben von Firmen gehe.

Der für die Bankenaufsicht zuständige Sanio versichert, die Geldinstitute würden sehr genau unter die Lupe genommen, ob sie mit Verdachtsfällen umgehen, wie vom Gesetz vorgesehen. Im ärgsten Fall kann die BaFin den verantwortlichen Geschäftsleiter abberufen - kam indes noch nicht vor.

Sanio versucht, mit dem Verweis auf den guten Ruf das Gewissen der Geldhäuser zu schärfen: Banken, die überführt würden, sich an Geldwäsche zu beteiligen, verlören derart an Reputation, dass die Existenz bedroht sei. International setzt er gleichfalls auf die Pranger-Methode: Derzeit werde die Schwarze Liste aktualisiert, auf der sich die Namen von Ländern finden, die es mit der Bekämpfung der Geldwäsche nichts ernst nehmen.

Schmallippig werden Ziercke und Sanio, wenn es um eingezogenes Geldwäsche- Vermögen geht: einen zweistelligen Millionenbetrag geben sie für 2008 an - eine Summe wohl im „Promillebereich“ des tatsächlich gewaschenen Geldes. Das umfasst weltweit eine Billion US-Dollar pro Jahr - laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds. So wird denn das Geldwäschebekämpfungsgesetz aus der Wirtschaft auch als „bürokratisches Monster“ mit „dürftiger Erfolgsbilanz“ kritisiert, wie Sanio weiß.

Startseite