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Die Zeit ist noch nicht reif

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Fürchtet der niederländische Europaminister Frans Timmermans wirklich, dass Deutschland den Niederländern die Debatte um das Totengedenken übel nimmt? Sein Beitrag, in dem er seinen Landsleuten Nachhilfe in Sachen deutscher Geschichte gibt, vermittelt diesen Eindruck. Dabei schreibt er selbst, dass Deutschland ein klares Bild von den dunklen Seiten seiner Geschichte hat. Insofern dürften nicht wenige Deutsche selbst den Standpunkt teilen, dass sie bei dem nationalen Gedenktag für die Weltkriegs-Toten deplatziert wären. Zumindest so lange es auch nur ein Opfer und einen Angehörigen gibt, der sich an der Anwesenheit stört.

Ob 65 Jahre nicht endlich genug sind? Wer soll das beurteilen? Es gibt viele Niederländer, die nichts gegen den Besuch des deutschen Botschafters beim Totengedenken hätten. Zumal ihm niemand die gute Absicht abspricht, als Repräsentant der Bundesrepublik die Trauer der Niederländer zu teilen. Aber bei einer Minderheit würde die Präsenz offenbar doch alte Wunden aufreißen.

Diese Menschen sind der Maßstab, nach dem man sich richten sollte. Dieser Punkt ist keine Frage von Mehrheitsentscheidungen. Wir Deutschen dürfen stolz darauf sein, bei den Befreiungsfeiern in den Niederlanden willkommen zu sein. Wenn die Zeit reif ist, wird man auch gemeinsam trauern können.

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