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Die Zeit ist reif

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Günter Netzer ist ein ausgewiesener Fußball-Fachmann. Die Einführung des Chips im Ball und/oder der Torkamera lehnt er kategorisch ab. Das nehme dem Spiel die Emotionen und mache es kaputt, sagt der frühere Nationalspieler und heutige TV-Experte.

Netzer möchte, dass alles so bleibt, wie es ist. Was nicht weniger als ein Skandal wäre angesichts jener Ungerechtigkeiten, die sich in diesen Tagen in Südafrika ereignen. Die Zeit ist überreif für den wohldosierten Einsatz technischer Hilfsmittel. Sie würden das Spiel, das Milliarden Menschen und noch mehr Geld bewegt, aus der Sklaverei mensch­lichen Versagens entlassen, krasse Fehlentscheidungen verhindern und Betrüger entlarven. Wir erinnern uns an das „Hand-Tor“ von Thierry Henry im letzten WM-Qualifikationsspiel Frankreichs gegen Irland. Die Fußball-Welt war sich einig, dass Irland und nicht Frankreich reif für die Spiele am Kap war. Allein die Fifa mit ihren ergrauten, selbstverliebten Eminenzen an der Spitze hatte eine andere Meinung. Spätestens in diesem Moment hätte sie reagieren müssen. Sie tat es nicht und blieb stumm. Schlimm.

Auch jetzt in Südafrika schaut die Fifa arrogant zu und tut so, als hätten wir immer noch das alte Schwarz-Weiß-Fernsehen mit flimmerndem Bild und ohne Zeitlupe. Und dabei bemerkt sie nicht, dass sie ihre Schiedsrichter allein lässt und öffentlich vorführt. Denn das Fernsehen hat den technischen Fortschritt genutzt und klärt strittige Szenen in Sekundenschnelle. Der Schiri ohne Hilfsmittel bleibt dabei auf der Strecke und der Sport ungerecht. Es ist ein Skandal.

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