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Rot Weiss Ahlen

Diesmal kämpfen alle wie die Löwen

Franz Prinz

Ahlen - Wenn der TSV 1860 München am Freitagabend (18 Uhr) im heimischen Wersestadion aufläuft, sind die gastgebenden Zweitliga-Fußballer von Rot Weiß Ahlen zumindest aus der rein statistischen Betrachtungsweise keinesfalls Außenseiter. 18 Punkte waren in den bisherigen sechs Spielen gegen die Löwen zu vergeben, zehn davon verbuchten die Ahlener. „Irgendwie ist Rot Weiß Ahlen für uns ein Angstgegner“, unkte deren ehemaliger Chefcoach Marco Kurz noch im Frühsommer des vergangenen Jahres und kassierte kurz darauf prompt mit 1:2 eine weitere Niederlage gegen die Rot-Weißen.

Heute ist Kurz Trainer beim 1. FC Kaiserslautern, sein Nachfolger heißt Ewald Lienen, und der reist mit einer 1:3-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC im Gepäck Richtung Ahlen. Auch „Zettel-Ewald“ hatte sich den Start in die neue Spielzeit anders vorgestellt. Ambitioniert gaben sich die „Löwen“ vor dem ersten Saisonspiel, demoralisiert wirkten sie am Montag nach der Niederlage gegen den KSC - bereits die zweite im dritten Saisonspiel.

Zwei angeschlagene Teams also, die im Wersestadion aufeinander treffen, und beide wissen, dass sie sich das Motto der Gäste auf die Fahnen schreiben müssen. „Kämpfen wie die Löwen“, dürfte die Marschroute von Ewald Lienen und Stefan Emmerling lauten, der im Gegensatz zu seinem ehemaligen Kollegen aus vergangenen Profi-Jahren (drei Punkte) noch keinen Zähler auf der Habenseite stehen hat und daher noch mehr unter Druck steht als Lienen.

Dabei gab und gibt es in München nach wie vor nur ein Ziel. „Klar, wir wünschen uns die Rückkehr in die Bundesliga“, formuliert es Miroslav Stevic zwar noch ein wenig zurückhaltend, letztlich aber deutlich genug, um seinen Spieler vor Augen zu führen, was von ihnen in dieser Spielzeit erwartet wird.

Auf ihrem Weg „zu unserem großen Ziel“ setzt Stevic, seit nunmehr knapp sieben Monaten in Amt und Würden, voll auf internationale Erfahrung. Pappas (Skoda Xanthi / Griechenland), Felhi (ES Sahel Sousse / Tunesien), Kiraly (Leverkusen), Lovin (Steaua Bukarest / Rumänien) und der Montenegriner Djokaj sollen zu mehr Stabilität verhelfen. Talente wie Ignjovski (OFK Belgrad, ausgeliehen bis 2011), Camdal, Kaiser und Mlapa (eigener Nachwuchs) sollen gefördert werden. Aber für den kurzfristigen Erfolg sehen die Verantwortlichen keine andere Chance, als auf fertige Spieler zu setzen.

Deshalb ließ man auch Talente wie Sven Bender (BVB, 1,6 Millionen Euro, Tausch gegen Rukavina), Lars Bender (Bayer 04 Leverkusen, 1,5 Millionen Ablöse), Johnson (Wolfsburg, 1 Million) und Schick (Augsburg, ablösefrei) gehen. Auch Nachwuchshoffnung Baurngartlinger (Austria Wien, 300 000 Euro) ist weg, der allerdings gehalten werden sollte. Wegen des Ausfalls von Bierofka (Bandscheiben-OP) haben die „Löwen“ kurzfristig auch noch Ludwig vom FC St. Pauli verpflichtet. Er kam gegen den KSC ebenso zum Einsatz wie viele andere neue Spieler auch, aber insgesamt läuft es noch nicht rund bei den 60ern, die im nunmehr vierten Spiel im Wersestadion unbedingt den zweiten Erfolg schaffen wollen.

Der erste gelang ihnen in der Spielzeit 2005/06, Ahlens Abstiegsjahr. Damals wurden die Rot-Weißen noch von Frantisek Straka trainiert, der wenige Monate zuvor noch das grandiose 4:3 im letzten Spiel an der Grünwalder Straße und damit die Rettung vor dem Abstieg geschafft hatte.

Doch dies ist längst Vergangenheit. Freitag zählt nur die Leistung auf dem Platz, und wenn die Ahlener den so sehnlich erhofften ersten Sieg landen, würden sie punktemäßig mit den „Löwen“ gleichziehen, im rein statistischen Vergleich ihren Vorsprung jedoch ausbauen.

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