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Behörden erfuhren nichts

Dioxin-Verdacht: Über 40 Betriebe im Münsterland bleiben gesperrt

Josef Barnekamp und Frank Polke

Borken/Münster - Keine Entwarnung im Dioxin-Skandal: Nach der Prüfung von Fleischproben durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt bleiben im Münsterland über 40 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt. Im Kreis Borken wurde am Freitag ein erster Schweinemastbetrieb wieder freigegeben, im Kreis Warendorf ein Putenmastbetrieb. Dort lag der Dioxinwert der entnommenen Fleischproben deutlich un­ter dem kritischen Grenzwert. Die anderen Betriebe müssen noch auf die Auswertung der Proben warten. In Münster wurde am Freitag ein Schweinemastbetrieb neu gesperrt, im Kreis Steinfurt drei.

Das schleswig-holsteinische Agrarministerium fand gestern heraus, dass die Giftdosis im Futtermittel der betroffenen Firma Harles und Jentzsch in Uetersen knapp 78 Mal so hoch war wie erlaubt. Bei weiteren Proben war die Belastung in neun von zehn Fällen zu hoch. Der Behörde liegen 30 Testergebnisse vor. In 18 Fällen war der Grenzwert überschritten.

Nach einem Zeitungsbericht hatte ein Labor bereits im März 2010 in Industriefetten der betroffenen Firma Dioxinwerte gefunden, die doppelt so hoch waren wie erlaubt. Die Behörden erfuhren davon jedoch nichts. Auch wenn der Höchstwert im Endprodukt wegen der Verdünnung bei der Futterherstellung bei den Proben im März wohl unterschritten wurde, hätten die Fette nicht verwendet werden dürfen, erklärte das Ministerium. Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner sagte: „Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass das verantwortliche Unternehmen bereits seit Monaten von der Dioxin-Belastung wusste und trotzdem nicht die zuständigen Landesbehörden informiert hat, ist das hochgradig kriminell und unverantwortlich.“

Obwohl erste Höfe in Westfalen wieder freigegeben werden, sorgt der Skandal vor allem bei fleischerzeugenden Betrieben für erhebliche finanzielle Einbußen. Grund sind sinkende Fleischpreise. Auch beim Eierverkauf sei ein Absatzrückgang deutlich spürbar, erklärte die Bonner Marktberichterstattungsstelle MEG.

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