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Lenz

"Disturbia": Shia LaBoeuf auf Hitchcocks Spuren

Gian-P. Andreas

Mit „Transformers“ ist Shia LaBeouf gerade erst so richtig bekannt geworden, da tritt der 21-jährige Shooting Star des Hollywood-Kinos schon in ganz besonders berühmte Fußstapfen. Im neuen Thriller „Disturbia“ sitzt er mit elektronischer Fußfessel in seiner Wohnung und spannt in die Zimmer gegenüber – wo er einen Serienmörder zu entdecken glaubt.

Schon seit Stummfilmzeiten nutzte er jede technische Neuerung für seine Zwecke: Ton, Musik, Spezialeffekte. Damit war er immer Avantgarde. Die meisten Kniffe hatte er nicht selbst erfunden, er war aber der erste, der sie mit Meisterschaft anwandte. Viele seiner inhaltlichen und formalen Techniken sind heute Standard, waren damals aber brandneu. Sein Trick etwa, den Zuschauer durch Zoomen und gleichzeitiges Zurückfahren der Kamera in Schwindel zu versetzen, heißt heute „Vertigo-Effekt“, benannt nach seinem meisterlichem Psychothriller „Vertigo“. Auch „MacGuffins“, also eigentlich unwichtige Elemente (Requisiten, Figuren, Handlungsstränge), die den Zuschauer bewusst auf falsche Fährten locken, werden heute immer noch gern benutzt – man denke nur an den Koffer aus „Pulp Fiction“.

Am bekanntesten ist Hitchcock aber für seine Perfektion in Sachen „Suspense“, der zuschauerquälendsten Form der Spannungserzeugung. Das Prinzip: Zwei sympathische Filmfiguren sitzen am Tisch, darunter tickt eine Bombe und die Lunte brennt. Das aber wissen nur die Zuschauer, nicht die Figuren am Tisch. So fiebert das Publikum mit und hofft auf Rettung in allerletzter Sekunde. „Suspense“ kommt vom Verb „to suspend“, was „aufhängen“ und „aussetzen“ bedeutet: Ein zu befürchtender Effekt (hier: die Bombenexplosion) wird, meist auf schwer erträgliche Weise, so lange „ausgesetzt“ und „aufgehängt“, bis eine Auflösung oder Rettung zu umso größerer Erleichterung führt. Diese Erleichterung entschädigt für die Spannung – wegen ihr schaut man sich Thriller an, vergleichbar einer Achterbahnfahrt.

Wie wichtig Hitchcock auch fürs heutige Kino noch ist, zeigt sich jedoch nicht nur daran, dass seine Tricks in den meisten aktuellen Thrillern gang und gäbe sind. Man sieht es auch an den Aktualisierungen seiner Filme: Sein Frauenmörderfilm „Psycho“ (der seinerseits Unmengen von Serienkiller-Thrillern inspirierte) ist von „Good Will Hunting“-Regisseur Gus Van Sant einstellungsgenau mit neuen Schauspielern nachgedreht worden, sein Kammerspiel „Cocktail für eine Leiche“ über zwei schwule Studenten, die den perfekten Mord planen, ist gleich mehrfach variiert worden – zuletzt mit Sandra Bullock in „Mord nach Plan“. „Disturbia“ pimpt nun also „Das Fenster zum Hof“ für die Jugend von heute auf: Nicht das schlechteste Starverhikel, das sich Shia LaBeouf da an Land gezogen hat!

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