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Drei ehemalige Warendorfer vor dem Schwurgericht Osnabrück

Von Elmar Ries Osnabrück. Vor dem Landgericht in Osnabrück müssen sich ab heute drei Männer wegen eines Mordes verantworten, der bereits 31 Jahre zurückliegt. Im Mai 1977 wurde bei Osnabrück ein damals 18 Jahre alter Postbeamte ermordet...

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Osnabrück - Im Prozess um einen im Mai 1977 ermordeten Postbeamten hat die Verteidigung eines der drei ursprünglich aus Warendorf stammenden Angeklagten das Schwurgericht in Osnabrück mit zwei Anträgen lahmzulegen versucht.

Die Richter seien nicht unvoreingenommen, darum befangen und abzulösen, forderte der Verteidiger gleich zum Prozessauftakt. Zudem ließen die Aussagen gleich mehrerer Zeugen den Schluss zu, dass der damals 19 Jahre alte Beamte von seiner ursprünglichen Fahrroute abgewichen sei.

Zusammen mit der Tatsache, dass seine Leiche später in einem Wald bei Tecklenburg gefunden wurde, lasse dies den Schluss zu, dass der Tatort nicht wie vom Gericht angenommen bei Hilter in Niedersachsen, sondern vielmehr im nordrhein-westfälischen Tecklenburg zu suchen sei. Darum sei das Landgericht in Osnabrück nicht zuständig. Der Verteidiger beantragte darum, dem Landgericht in Münster den Fall zu übertragen.

Nach einer kurzen Beratung unterbrach der Vorsitzende Richter die Hauptverhandlung. In den kommenden Tagen müssen nun andere Richter über den Befangenheitsantrag entschieden werden. Erst danach entscheidet die Kammer über die Zuständigkeit des Gerichts. Der Prozess wird am 30. September fortgesetzt.

Vor dem Landgericht in Osnabrück müssen sich seit heute drei Männer wegen eines Mordes verantworten, der bereits 31 Jahre zurückliegt. Im Mai 1977 wurde bei Osnabrück ein damals 18 Jahre alter Postbeamte ermordet. Die Leiche des jungen Mannes war seinerzeit in einem Waldstück bei Lotte gefunden worden.

Schon damals waren zwei der heute drei Angeklagten verdächtigt worden, die Tat ausgeübt zu haben. Damals aber reichten die Beweise nicht aus, um Klaus Uwe E. und Reinhard L. den Prozess zu machen. Das sieht heute anders aus.

E. und L., die damals in Warendorf lebten, sind bereits verurteilte Mörder. Wenige Tage, bevor der Postbeamte ermordet wurde, haben sie gemeinsam mit einem dritten Mann einen damals 46 Jahre alten Handelsreisenden aus Osnabrück mit einer Drahtschlinge erwürgt. Die Leiche des Mannes war knapp vier Wochen später bei Lengerich gefunden worden.

Für diese Tat wurden E. und L. vor dem Landgericht in Münster zu lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt. 1996 und 2001 wurde der heute 60-jährige E. und der 58 Jahre alte L. aus der Haft entlassen.

Eher zufällig sind die Ermittler den beiden jetzt auf die Spur gekommen. Routinemäßig bereitet Staatsanwaltschaften alte, ungeklärte Fälle auf. Das ist irgendwann auch mit dem Postbeamten-Mord passiert. „Und dabei haben wir Parallelen in der Tatausführung der beiden Morde bemerkt“, sagte der Sprecher der Osnabrücker Staatsanwaltschaft, Manfred Manke im Vorfeld des Verfahrens.

So war sowohl der Post-Bedienstete als auch der Handelsreisende 1977 von seinen Mördern mit Hilfe einer fingierten Polizeikontrolle angehalten worden. Zudem gibt es bei beiden Taten eine zeitlich und räumliche Nähe. Weitere Auffälligkeiten will die Anklagevertretung erst im Verlauf des Prozesses benennen.

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