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Stornokosten für dubiose Kaffeefahrt

Dreister gehts nicht: Fahren oder zahlen

Ulrich Gösmann

Ahlen - Seit Wochen wirft sie diese Art von Post stumpf weg. Das sei ja noch nerviger als bei „Unitymedia“. Jetzt wird ihr gedroht. Wenn Marlies Rauhut ihre Reise am Mittwoch nicht antritt, soll sie zahlen. „Eine bodenlose Frechheit“, sagt die Rentnerin. Ihre Vermutung, dass auch auf andere in Ahlen Druck ausgeübt wird, kann Verbraucherschützerin Gisela Daniels nur bestätigen. Ihr Telefon steht zum Wochenstart nicht still.

Der siebte Brief ist der, der das Fass im Hause Rauhut am Wochenende zum Überlaufen bringt. Aus der Einladung zur „großen Sponsorenaktion 2011“ ist eine Reisebestätigung geworden. Für eine Fahrt, die sie nie gebucht hat. Und dennoch folgt der höflichen Anrede scheinbar Verbindliches: „Anbei erhalten Sie Ihre Busfahrkarte mit den fest gebuchten Reisedaten.“ Demnach hat sie am Mittwoch um 7.20 Uhr am Bahnhof zu stehen. Wenn nicht, soll sie zahlen: Fahrpreis, Buchungskosten, Frühstück - unterm Strich 19,90 Euro. Freundlicher klingen die Töne im Abspann. Da wird Marlies Rauhut noch offeriert, eine weitere Person gratis mitbringen zu dürfen. Es seien ganz plötzlich noch vier Plätze frei.

„Veräppeln kann ich mich auch selbst“, sagt die Frau, die um klare Worte nicht verlegen ist. Kaum vorstellbar, dass ihr selbstbewusstes Auftreten am Mittwoch wirklich willkommen wäre, wenn es im Verkaufsgespräch ans Geld geht.

Sie und ihr Mann seien gebrannte Kinder, verrät die 67-Jährige. Vor vier Jahren hätten sie sich auf Ähnliches eingelassen. Fahrt nach Oberhausen, kurz ins Einkaufszentrum, lange in den Verkauf von Betten und anderen Unverschämtheiten. Der Gewinn, wie auch jetzt dick ausgewiesen, sollte beim Verkauf von Matratzen verrechnet werden. Für Mittwoch hat der Absender bereits 500 Euro auf das Einkaufskonto von Marlies Rauhut gebucht. Ihre größte Sorge, die sie am Montag zu Polizei, Verbraucherberatung und Zeitung eilen lässt: „Dass andere auf diesen Kappest reinfallen.“

Die Befürchtung teilt Gisela Daniels. Die Leiterin der Verbraucherzentrale im Rathaus erlebte zum Wochenstart schon in der ersten Stunde zehn aufgebrachte Anrufer. „Die Post muss wohl massenweise rausgegangen sein. Die Leute sind aufgebracht“, sagt sie. Wohlwissend um die wildesten Varianten von Verkaufsveranstaltungen: „Dieses hier ist noch einen Tacken dreister.“ Daniels Rat: Ignorieren und wegschmeißen. Der Brief entbehre jeglicher Rechtsgrundlage und sei einfach nur frech.

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