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Rot Weiss Ahlen

Durchhänger statt Durchbruch

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Ahlen. Als Miguel Dotor-Ledo nach 33 Minuten in einem Zweikampf mit Leverkusens Kai Lehmann unfreiwillig Manfred und Marian Christel am Seitenrand von ihren Trainerstühlen fegte, da sahen die Zuschauer ausnahmsweise einmal Biss und Herz. Die Stühle gingen zu Bruch, zu allem Überfluss auch noch die Partie gegen Tabellenschlusslicht VfL Leverkusen mit 0:2 verloren. Körperlich unversehrt hatte das RW-Trainerduo diese ungewollte „Attacke“ überstanden. Was Manfred Christel ungleich mehr zusetzte, war die Niederlage selbst sowie die Art und Weise ihrer Entstehung.

Denn vom Anpfiff an agierte Rot-Weiß träge und vollkommen uninspiriert. Es brauchte nicht lang, da ließen sich die Gastgeber vom wahrlich nicht starken VfL den Schneid abkaufen. Folgerichtig erzielten die Leverkusener nach einer halben Stunde das 1:0. Nach einer Hereingabe von Duman zog Muhovic ab, erwischte jedoch nur den Pfosten. Von dort aber sprang das Leder zurück zu Marko Martinovic, von dem die Kugel unglücklich zum 0:1 ins eigene Tor sprang. Doch statt einer Trotzreaktion oder irgendeines Aufbäumens versanken die Ahlener in Lethargie. Durchhänger statt Durchbruch. Dann der Zusammenprall von Miguel Dotor-Ledo und Kai Lehmann mit Ahlens Trainerduo. Ein Zuschauer spottete noch: „Das war jetzt der Höhepunkt des Spiels.“

Aus rot-weißer Sicht sollte er (leider) Recht behalten. Noch vor dem Wechsel hätte David Steindor für Besserung sorgen können. Doch nach einem präzisen Freistoß von Patrick Schade setzte Steindor in der 45. Minute das Leder freistehend an die Latte.

Nach der Pause gab es keine Besserung. RW zeigte eine blutleere Partie. Zu keinem Zeitpunkt waren die Platzherren dazu in der Lage, Torchancen zu kreieren. Stattdessen produzierten sie unnötige Fehlpässe, schoben die Verantwortung von sich. Niemand lehnte sich entschlossen gegen die drohende Niederlage auf, niemand weit und breit versprühte Esprit, niemand demonstrierte wilde Entschlossenheit die Mannschaft mitzureißen und zum Ausgleich zu bewegen. Auf dem Platz herrschte zudem eine unbehagliche Ruhe. „Die Mannschaft war total leblos, sie hat nicht als Mannschaft funktioniert. Wir haben es vom Kopf her nicht geschafft, das Spiel so anzugehen, wie es notwendig gewesen wäre“, konstatierte ein ungläubiger Manfred Christel. Ahlens Coach musste in der 59. Minute einen abermals vergeblichen Versuch David Steindors mit ansehen, der neben das Tor köpfte. Besser machten es da die Gäste, die nach 64 Minuten leicht die Ahlener Abwehr aushebelten und zum 2:0 durch Milanovic trafen.

Dass Marcel Ramsey zehn Minuten vor dem Ende nach herrlichem Solo zu eigensinnig abschloss statt die besser postierten Nikolas Wiechert, Marcel Kretschmer oder Janis Kraus anzuspielen, war ärgerlich, aber nicht verwunderlich, passte somit ins Bild. „Wir haben heute gespielt wie ein Absteiger“, resümierte Manfred Christel treffend. Kein Wunder, dass in dieser Situation das einzige, was den Trainer umhaut, der eigene Spieler ist, der einen beim Zweikampf vom Stuhl putzt.

RW A: Paulkowski – Dotor-Ledo, Nuß (46. Kickermann), Weikert (68. Wiechert), Martinovic, Kraus, Sawatzky (46. Ramsey), Steindor, Maier, Kinscher, Schade (73. Kretschmer)

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