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Rot Weiss Ahlen

Egoismus ist fehl am Platze

Franz Prinz

Ahlen. Etwas trügerisch ist der Blick auf die Regionalliga-Tabelle schon. Zwar beläuft sich der Abstand zwischen dem Tabellenvierten Rot-Weiß Ahlen (44 Punkte) und dem Tabellenelften Rot-Weiß Essen (35 Punkte) auf neun Zähler, die Situation kann sich aber schnell ändern, wenn Eintracht Braunschweig (derzeit wie Essen 35 Zähler) seine beiden Nachholspiele gewinnen sollte. Dann würde Dynamo Dresden den undankbaren elften Rang einnehmen, allerdings mit seinen aktuell 39 Zählern, und der Abstand von RW zu einem „Nicht-Qualifikations-Platz“ beliefe sich nur noch auf fünf Punkte. Lars Toborg, Ahlens Torjäger und Co-Spielführer, weiß daher genau, warum er in diesen Tagen warnend den Finger hebt: „Wer bei dieser Liga und diesem Einheitsbrei von Mannschaften, die noch sowohl nach oben als auch unten rutschen können, eine Prognose darüber abgibt, wer am Ende über und wer unter dem Strich liegt, der könnte ganz schön daneben liegen.“

Nein, so der beim Ahlener 3:1-Sieg in Dresden erneut erfolgreiche Stürmer, es sei fatal, jetzt an irgendetwas zu denken, „wir können und müssen nur von Spiel zu Spiel schauen“. Dennoch war seine Freude über den Überraschungscoup in Dresden groß: „Wir wissen zwar, was wir können, doch so ein Spiel wie dieses in Dresden kann man nur gewinnen, wenn alle ihre Leistung abrufen, und das haben wir dann zum Glück nach der Pause getan.“

Er selbst war froh, überhaupt dabei gewesen zu sein. Lange bevor seine Kollegen auf den Platz gekommen waren, hatte Toborg im Rudolf-Harbig-Stadion einsam einige Runden gedreht. „Es hat ganz schön gezwickt, und wir wussten nicht genau, ob es geht“, erklärte er nach dem Spiel. Dass es ging, war auch ein Verdienst von Wolfgang Holtz, bei dem sich Toborg auch spontan bedankte: „Der ,Wolle‘ hat mich rund um die Uhr behandelt, und das hat dann wohl den Ausschlag gegeben.“

Und noch ein Ahlener Spieler musste vor dem Anpfiff erst schauen, ob er 90 Minuten durchhalten kann: Grover Gibson hatte nach einem Schlag auf den rechten Knöchel im Abschlusstraining starke Schmerzen und musste ebenfalls behandelt werden. Nach dem Aufwärmprogramm signalisierte aber auch er seinen Einsatz, und das war mehr als wichtig, gehörte der US-Boy doch wieder zu den stärksten Spielern im Ahlener Dress. „Wir sind da schon ein hohes Risiko gegangen, mit beiden anzureisen, hatten aber bis zuletzt die Hoffnung, dass es gut geht, und es ist ja dann auch gut gegangen“, gab Ahlens Trainer Christian Wück nach dem Spiel zu, wegen der Verletzung seiner beiden Spieler schon ein wenig nervös gewesen zu sein.

Die Ruhe selbst ist in diesen Tagen Ahlens junger Torhüter Manuel Lenz. In Dresden überzeugte er einmal mehr durch sein kluges Stellungsspiel und seine gekonnten Paraden, mit denen er nach Aktionen von Dobry und Penksa seine Mannschaft zweimal vor einem weiteren Dresdener Tor bewahrte. „Ist zwar nett, gelobt zu werden, aber loben muss man unsere gesamte Defensive, denn die hat nach der Pause gut gestanden und zu Null gespielt. Aus meiner Sicht ganz entscheidend für diesen Sieg“, gab Ahlens Torhüter das Lob schnell an die gesamte Hintermannschaft weiter. So sind sie halt in diesen Tagen, die Spieler von Rot-Weiß Ahlen. Egoismus ist fehl am Platze, Teamgeist hingegen gefragt. Das kann in diesem Jahr der Schlüssel zum Erfolg sein, auch wenn der Weg bis zur Qualifikation noch weit ist.

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