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Lustreisen-Prozess

Ehemalige Aufsichtsräte sagen aus

wn

Münster - Vor dem Landgericht ist der Prozess gegen den Geschäftsführer der Wohn- und Stadtbau, Klemens Nottenkemper, fortgesetzt worden. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 2004 und 2006 Aufsichtsratsreisen organisiert zu haben, bei denen der Freizeitcharakter im Vordergrund stand. Von der Schiffstour auf der Ostsee über das Konzert im Leipziger Gewandhaus bis zu Getränken an der Hotelbar - wenn die Aufsichtsratsmitglieder der Wohn- und Stadtbau auf Reisen waren, konnten sie ihre Portemonnaies getrost zu Hause lassen: Das städtische Tochterunternehmen kam für alle Kosten auf. Ob er darüber nie ins Grübeln gekommen sei, wollte gestern der Staatsanwalt bei der Fortsetzung des Nottenkemper-Prozesses vor dem Landgericht vom Zeugen Udo Reiter wissen. Nein, entgegnete das langjährige Aufsichtsratsmitglied - „das war aus meiner Sicht selbstverständlich“, schließlich habe es bei anderen städtischen Tochterunternehmen die gleiche Praxis gegeben. Im Übrigen, so Reiter, habe auch das von der Wohn- und Stadtbau organisierte Freizeitprogramm durchaus seinen Sinn gehabt: „So haben wir auch abends etwas gemeinsam unternommen.“ Die Dienstfahrten mit Freizeitprogramm hat sich das Unternehmen eine Menge kosten lassen. Weit über 200 000 Euro in den Jahren 1996 bis 2006, wie aus einer gestern vom Richter verlesenen Liste hervorgeht, die die Wohn- und Stadtbau 2006 nach einer Anfrage der Grünen-Ratsfrau Helga Bennink zusammengestellt hatte. Noch ein weiteres Schriftstück präsentierte der Richter: ein ausführliches Schreiben, das vom Faxgerät des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Markus Funk an die Wohn- und Stadtbau geschickt worden war. Detailliert listet es auf, welche Pauschalen und Sitzungsgelder Aufsichtsräte in anderen Städten erhalten, während sie in Münster ihre Aufgaben ehrenamtlich ausüben. „Gelungen und gut“, hat jemand beim Empfänger, also der Wohn- und Stadtbau, mit Kugelschreiber daruntergeschrieben. Zudem verwies der ebenfalls als Zeuge geladene Funk darauf, dass die Dienstreise-Praxis der Wohn- und Stadtbau nie von städtischer Seite problematisiert worden sei. Diese Aussage dürfte beim übernächsten Termin - am 7. November - auf den Prüfstand kommen. Dann sind unter anderem der frühere Stadtdirektor Horst Freye und die ehemalige Sozialdezernentin Agnes Klein als Zeugen geladen.

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