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Klimawandel als Chance

Eiche und Eibe profitieren im Münsterland von Veränderungen der Großwetterlage

Martin Ellerich

Münster - Sie ziehen in langen Reihen die Eichen am Waldrand hinauf. Raupe hinter Raupe wie in einer Prozession. Ihre langen Haare zittern im Wind. Treffen sie Menschen, so lösen sie oft allergische Reaktionen aus: Ei­chen-Prozessionsspinner heißen die Tiere, die bisher eigentlich nur im Westen des Münsterlandes vorkamen - eigentlich.

„Wir beobachten, dass sich die Tiere immer weiter nach Osten ausbreiten - inzwischen sogar bis nach Nordwalde“, sagt Manfred Stemmer, Fachgebietsleiter beim Landesbetrieb Wald und Holz in Münster. Neue - wärmeliebende - Bewohner in Westfalens Wäldern sind nur eine Folge des Klimawandels. „Aber insgesamt wird die Veränderung hier im Münsterland nicht dramatisch sein“, sagt Stemmer. „Zumindest nicht, wenn wir uns jetzt schon darauf einstellen.“

Dass das Klima sich langsam verändert, beobachten die Förster seit Jahren: „Im Frühjahr schlagen die Bäume heute eine Woche früher aus, im Herbst werden die Blätter eine Woche später braun als noch vor 20 oder 30 Jahren“, hat der erfahrene Förster Stemmer beobachtet. Die Vegetationsphase wird länger. In dieser Wachstumsphase brauchen die Bäume Wasser. Aber: Nach den Prognosen der Klimaforscher wird in Westfalen künftig zwar nicht weniger Regen fallen, aber die Sommer könnten tendenziell trockener, die Winter feuchter werden.

„Dadurch kann Wasserstress insbesondere auf sandigen Böden auftreten“, weiß Stemmer. Das sind keine guten Voraussetzungen für - zum Beispiel - die Fichte. „Die gibt es zwar auf Böden mit einer guten Wasserversorgung, etwa im Teutoburger Wald “, so Stemmer, „von Natur aus kommt sie im Münsterland aber nicht vor.“

Den richtigen Baum für den richtigen Untergrund zu finden, das wird künftig noch wichtiger als bisher. Oder genauer: Die richtige Mischung an Baumarten. „Stabile Laubholz-Mischbestände“ sind das Ziel der Förster. In diese Richtung beraten sie die Waldbesitzer. „Und es gibt auch Landeszuschüsse für dem Standort gut angepasste Setzlinge“, sagt Stemmer. Aber welcher Baum wächst wo? Neben ihrer Erfahrung helfen den Förstern Bodenkarten bei dieser Entscheidung. Bodenkarten, in denen die Struktur und Beschaffenheit der Erde in bestimmten Arealen genau beschrieben ist. „Selten ziehen wir auch noch selber Bodenproben“, sagt Stem­mer und zeigt auf ein Metallrohr und einen riesigen, weißen Kunststoffhammer in der Ecke seines Büros.

Über den grünen Daumen gepeilt würden voraussichtlich heimische Arten wie Eiche, Winterlinde, Elsbeere, Feldahorn, Waldkiefer und Eibe vom Klimawandel profitieren. Sie lieben Wärme. Dazu kommen „Zuwanderer“ wie Douglasie, Schwarzkiefer und Robinie, aber auch die Esskastanie, die ebenfalls Wärme liebt.

„Der Klimawandel eröffnet gerade hier bei uns im Münsterland auch Chancen“, sagt Stem­mer. Doch es gebe auch neue Gefahren: So nehme die Zahl der Stürme zu. Waldbauern denken noch mit Schrecken an Kyrill, der im Sauerland ganze Wälder flachlegte.

Dazu kommen neue Schädlinge - wie eben der Eichen-Prozessionsspinner. Stemmer: „Der ist aber eher für Menschen unangenehm, als dass er für den Wald gefährlich wäre.“ Sein Fazit mit Blick auf Klimawandel und Wald im Münsterland: Sich auf Risiken und Chancen der wahrscheinlichen Veränderung vorzubereiten, ist sinnvoll. „Panik ist nicht angebracht.“

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