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Eigene Mutter auf dem Bügelbrett gefesselt und gequält - Ahlener steht vor Gericht

Peter Schniederjürgen

Ahlen - Qualvolle Stunden bereitete ein 37-jähriger Ahlener seiner Mutter, die er auf einem Bügelbrett gefesselt, mit der Faust geschlagen und einer Nagelschere verletzt hatte. Am Montag stand er vor dem Schöffengericht. Dem Mann werden schwere Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung und Beleidigung unter Alkoholeinwirkung vorgeworfen.

Wegen einer Streits um einen Wohnungsschlüssel war der Mann am 4. April ausgerastet. Nach einem Hagel von Schlägen „fesselte er die wehrlose Frau mit einem Kabel auf ein Bügelbrett und hielt sie so stundenlang bewegungsunfähig“, schilderte der Staatsanwalt beim Verlesen der Anklage. „Du hast mein Leben versaut“ , soll er seiner als Zeugin geladenen Mutter vorgehalten haben. Es müssen sich grausige Szenen in der Wohnung der Frau abgespielt haben.

Wohl nach reichlichem Genuss von Jägermeister und Bier kam es zur Ausein­andersetzung. Die Situation geriet außer Kontrolle, als die Frau ihrem Sohn den Schlüssel verweigerte. Der Mann schlug die Mutter zu Boden und fixierte sie zwischen Wohnzimmertisch und Couch. Es folgte eine Orgie der Gewalt. Eine Serie von Fausthieben prasselte auf das Opfer ein. Der Täter würgte sein bereits blutendes Opfer und hielt Mund und Nase zu. Er zwang seine Mutter auf das Sofa, zerschlug die Stehlampe und riss das Kabel heraus. Damit fesselte er sein Opfer mit einem Bügelbrett auf dem Rücken und soll sie angeschrien haben: „Jetzt kannst Du mal sehen, wie man sich in der Psychiatrie fühlt“, zitierte der Ankläger.

Im Verlauf der Nacht steigerte sich der Gewaltausbruch. Nach zahllosen Faustschlägen ins Gesicht nahm der Mann eine Nagelschere und durchstach mehrere Male die Wange des Opfers. Erst in den Morgenstunden band der Sohn die Mutter los und erlaubte ihr, die Toi­lette aufzusuchen.

Der Angeklagte nutzte am Montag sein Aussageverweigerungsrecht. Es folgte eine Unterbrechung, in der der geladene Sachverständige und Nervenarzt mit dem heute in Hamburg lebenden Angeklagten sprach, um sich ein Bild von der Persönlichkeit des 37-Jährigen zu machen.

Der Arzt hielt ein Gutachten zur Fortführung des Prozesses für unumgänglich. „Wir wissen nicht, ob der Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter einer Psychose litt und deren eventuelle Wechselwirkung mit Drogen und oder Alkohol“, machte der Psychiater klar. Aus seinem Gespräch erfuhr der Mediziner, dass der Angeklagte in Hamburg in Behandlung und mehrfach auch in der Telgter Klinik für Psychiatrie war. Auch für das Gericht stand die Frage der Zuständigkeit im Raum. Der Vorsitzende muss nun über eine Abgabe an das Landgericht Münster entscheiden. Das kann jedoch erst nach Erstellung des Gutachtens geschehen.

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