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80 Jahre Lengerich - Artikel - Content

Ein 650 Meter langer Arbeitsplatz

Karin C. Punghorst

Ladbergen - Jürgen Sackewitz ist Bayern München Fan. Johannes Wallmanns Fußballherz schlägt für Schalke 04. Der 52-jährige Sackewitz könnte der Vater seines 27 Jahre alten Kollegen sein. Die beiden sind angestellt beim Unternehmen „Oelrich Hafen- und Schifffahrt“. Sackewitz ist seit 1992 Hafenmeister, Wallmann sein Stellvertreter. Wer die beiden bei ihrer Arbeit ein wenig begleitet merkt schnell, die Männer sind ein Team. Sie packen gemeinsam und engagiert das Tageswerk an - alles in einer wohltuenden Gelassenheit.

Ihr Arbeitsplatz ist weitläufig. Am 650 Meter langen Kai legen die Frachtschiffe an. Hinzu kommt das Hafengelände mit Lagerstätten und Absackhalle, in der etwa Futtermittel oder Zement verpackt werden. „Wir haben Dienstfahrräder“, sagt Sackewitz und zeigt auf die beiden Drahtesel. „Da kommen am Tag gute fünf Kilometer zusammen.“

Mehrmals am Tag geht es zum Anleger. Ausgerüstet mit einem drei Meter langen Zollstock ermitteln sie das Ladegewicht der Schiffe. Sie sind vereidigte Schiffseichaufnehmer und haben dafür vor der Industrie- und Handelskammer eine spezielle Prüfung abgelegt. Wallmann muss aber noch drei Jahre auf sein entsprechendes Siegel warten, trotz erfolgreicher Prüfung. Das gibt es erst mit 30 Jahren.

Alle Angaben werden im Eichbuch notiert. Dazu dient ein kleines Büro in einem Container. Es ist eng: Zwei Schreibtische, Computer, Aktenordner und die Kaffeemaschine stehen dicht zusammen. Gleich neben der Tür „der Empfangsbereich“, eine einfache Holztheke. Das reicht, die Kunden sind als Schiffskapitäne schließlich die Enge gewohnt.

2000 Tonnen werden im Ladberger Hafen am Tag be- und entladen. Das entspricht rund 74 Lkw-Fuhren. Im Schnitt sind das zwei Schiffe pro Tag. Doch so einfach ist das nicht, es gibt hektische Stoßzeiten, „da haben wir dann schon mal 6000 Tonnen am Tag vor der Brust“, berichtet Sackewitz. Bestes Beispiel sind die Streusalz-Lieferungen im vergangenen Winter.

Die Schiffe kommen unter anderem aus Deutschland, den Niederlanden, Polen und der Tschechischen Republik. Ein bisschen Englisch können beide Hafenmeister sprechen, aber längst nicht alle Kapitäne. Veständigungsprobleme gibt es für Wallmann trotzdem nicht, „irgendwie kommen wir immer zurecht, zur Not mit Händen und Füßen.“

Bis die Schiffe aus dem Hafen auslaufen dauert das Löschen oder Beladen, je nach Menge und Material, vier bis zehn Stunden.

21 Männer und eine Frau gehören zum Team der beiden Hafenmeister. Gearbeitet wird im Schichtbetrieb. Sechs Uhr ist Treffpunkt am Container. „Dann werden die Leute eingeteilt, wir haben auch eine Frau als Kranführerin“, erzählt Sackewitz. Bedient werden muss auch der Radlader. Wieder andere verfüllen Ladungen in Säcke.

Wallmann und Sackewitz können alle Maschinen bedienen und zur Not überall mit einspringen. Der erste Hafenmeister ist gelernter Kfz-Mechaniker, für ihn ist klar, „wir müssen immer eine Nasenlänge gegenüber den Mitarbeitern voraus sein.“

Zur See gefahren oder eine Kreuzfahrt unternommen haben die Hafenmeister übrigens beide nicht. Die Nähe zum Wasser scheint auch nicht besonders wichtig zu sein. „Es ist die logistische Herausforderung“, sind sie sich einig. Daran haben sie sogar Spaß. Der Preis hierfür ist ihre Arbeitszeit. Sackewitz bringt es auf den Punkt: „Einer von uns muss immer erreichbar sein, egal ob Wochenende oder Feiertag, so wie die Schiffe kommen.“

Zusammen zum Fußball können sie nicht. Wenn Schalke gegen Bayern spielt ist immer einer von ihnen für den Hafen im Einsatz.

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