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Politik Inland

Ein Bärendienst

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Die deutschen Hochschulrektoren haben auf ihrer Konferenz in Leipzig verpasst, sich als energischer Motor von Veränderungen zu präsentieren. Vielmehr sind sie ebenso in Rituale verfallen wie ihre protestierende Gegenstimme, die Studenten. Das „Schwarzer-Peter-Spiel“ zulasten der Politik wirkte wenig überzeugend und bestätigte nur all jene, die den Hochschulrektoren vorwerfen, sie seien zu schwerfällig und wenig reformfähig.

Die Erkenntnis zum Beispiel, dass mit der im Eilverfahren beschlossenen „Bologna-Reform“ an nicht wenigen Universitäten auf bestehende Diplom- und Magisterstudiengänge der Einfachheit halber das Etikett Bachelor oder Master geklebt wurde, ohne eine tatsächlich inhaltliche und strukturelle Anpassung zu vollziehen, ist wahrhaftig nicht neu. Das Versäumnis ist einzig und allein den Hochschulen anzulasten - die Politik konnte allenfalls den Rahmen abstecken, durfte aber nicht in die Details hineinreden.

Gleiches gilt etwa für die Prüfungsordnungen. Wenn die Hochschulrektoren nun die Schuld einzig und allein den Ländern zuschieben und auf zu geringe Finanzmittel verweisen, zeugt das von einer mangelnden Fähigkeit zur Selbstkritik. Wer immer ihnen offenbar das PR-Prinzip „Hinlenken durch Ablenken“ ans Herz legte, hat der HRK einen Bärendienst erwiesen.

Aber auch auf Seiten der Studenten wünschte man sich weniger Rituale und mehr konkrete Vorschläge. Spektakuläre Streiks und Aktionen sorgen zwar für Schlagzeilen, dienen aber nicht der Nachhaltigkeit ihrer Kritik. Ein klarer Forderungskatalog wurde nicht vorgelegt - nicht einmal bei der medienwirksamen Unterbrechung der Pressekonferenz der Hochschulrektoren in Leipzig. Beide Seiten fielen sich ins Wort, ließen Dialogbereitschaft vermissen. Eine peinliche Vorführung! Gut, dass zumindest HRK-Chefin Margret Wintermantel gestern in Berlin besonnener reagierte.

Die Krux bei den Studenten ist sicherlich, dass sie nicht mit einer Stimme sprechen. Dennoch wäre es an der Zeit, gemeinsame Ziele zu formulieren statt unverbindliche Kritik zu skandieren.

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