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Landtagswahl NRW 2010

Ein Duell – zwei Sieger: Rüttgers und Kraft schenken sich nichts

wn

Köln - Kaum ist das Rotlicht der Kameras aus, da steht für die Einflüsterer der Parteien der eigene Kandidat als klarer Punktsieger des TV-Duells fest: Ein Duell – zwei Gewinner. SPD-Generalsekretär Michael Groschek jubelt, Kraft habe in der 2. Halbzeit gewonnen. CDU-General Andreas Krautscheid spricht von einem „Punktsieg“. Im 60-minütigen Kreuzverhör haben sich der staatsmännisch agierende Amtsinhaber Jürgen Rüttgers und seine zeitweise angriffslustige Herausforderin Hannelore Kraft nichts geschenkt. Am Ende des rhetorischen Ping-Pong-Spiels aber steht ein Händedruck. Der Wähler mag keine Bosheiten - das Wortgefecht „Er gegen sie“ war hart, aber höflich und fair. Punkt 20.15 Uhr ist die Anspannung der Kandidaten in der Kölner Vulkanhalle mit Händen zu greifen, es geht ums Ganze. Wer jetzt patzt, zerstört die Hoffnungen der Anhänger. SPD-Herausforderin Kraft, die in den Sympathiewerten zuletzt deutlich aufgeholt hat, eröffnet den Clinch. Zunächst geht es um die Bundespolitik. Kraft und Rüttgers lehnen Blankoschecks zur Hilfe für Griechenland ab. Beim Thema Arbeitsmarktreformen warnt Kraft vor Dumping-Löhnen, Rüttgers präsentiert sich als Arbeiterführer, der sittenwidrige Löhne ablehnt. Der Ton ist meist sachlich, Angriffe bleiben moderat, nur selten fallen sich die Kontrahenten ins Wort. Beide dozieren, das Duell kommt nicht in Fahrt. Bekanntes wird mit vielen Details neu aufgekocht. Rüttgers hält an der Hauptschule fest, Kraft will die Gemeinschaftsschule. Beide wissen, dass die Schulpolitik die Wahl mitentscheidet. Rüttgers warnt vor Schulschließungen. Kraft nennt das „Quatsch“, will Schulen aber zusammenlegen. Rüttgers und Kraft streiten über Kohle-Subventionen und Hilfen für Kommunen. In der Koalitionsdebatte schließt Kraft ein Bündnis mit der Linken wieder nicht aus. Beim Thema Sponsoring betont Rüttgers, dass er nicht käuflich ist. Jeder hat seine Achilles-Ferse. Im TV-Duell zeigen die Spitzenkandidaten Stärken und Schwächen. Kompetenz: Rüttgers spickt seine Antworten mit Daten, Zahlen und Fakten und punktet mit seiner Regierungsbilanz. Der CDU-Chef ist gut vorbereitet, wirkt souverän. Rüttgers verzichtet auf teure Wahlversprechen und kündigt Sparmaßnahmen an. SPD-Herausforderin Kraft präsentiert sich authentisch als Vertreterin der kleinen Leute. Sie ist sachkundig, bleibt aber Konkretes schuldig, wie sie ihr Wahlprogramm finanzieren will. Auftreten: Hannelore Kraft ist leidenschaftlicher, macht keine schlechte Figur und zielt mit persönlichen Anekdoten auf Herz und Bauch der Wähler. Kraft leistet sich bei ihrer Premiere im TV-Duell keine wahlentscheidenden Fehler. Rüttgers dokumentiert durch die Körpersprache: Schaut her, ich bin überlegen. Auf persönliche Vorwürfe reagiert der Regierungschef genervt. Beim kontrollierten Angriff spielt Profi Rüttgers seine Routine aus. Botschaften: Kraft setzt auf die Gemeinschaftsschule und verspricht kostenlose Kitas und das Aus für Studiengebühren. Die Politikerin will mit Angriffen auf die schwarz-gelbe Koalition im Bund Stimmen fangen. Rüttgers warnt vor einem rot-rot-grünen Chaos und der Einheitsschule in NRW. Der CDU-Politiker präsentiert sich mit einfachen Botschaften als Sozialpolitiker, der mit den Liberalen weiterregieren will. Zum Abschluss warnt Hannelore Kraft die Wähler vor der Ellenbogen-Gesellschaft. Amtsinhaber Rüttgers hat das letzte Wort. Leicht pathetisch richtet sich Ministerpräsident an die immer noch 30 Prozent unentschlossenen Wähler. „Aus Liebe zu Nordrhein-Westfalen“ wirbt Rüttgers für eine stabile schwarz-gelbe Regierung.

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