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Ein guter Vorschlag

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Das lange und häufig vergebliche Warten von Verbrechensopfern auf eine Entschädigung – es gibt wohl keinen anderen Umstand, der das Vertrauen der Menschen in die Funktionsfähigkeit der Justiz mehr untergräbt. Auch wenn es Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten in vielen Fällen gelingt, ein Verbrechen schnell aufzuklären und konsequent abzuurteilen – das zeitliche Auseinanderfallen von Tat und Schadenersatz ist für das Ansehen eines funktionierenden Rechtsstaates äußerst abträglich.

Gerade Opfer von Kapitalverbrechen sind in vielen Fällen psychisch und physisch schwer erschüttert. Umso mehr bedürfen sie zügig der Hilfe – und dies beinhaltet auch die Zahlung von Schmerzensgeld. Dieses kann in einem Zivilprozess verhandelt werden, ohne Zweifel. Aber besser ist es, diese Ansprüche sofort im Strafverfahren geltend zu machen. In diesem Zusammenhang spricht nichts dagegen, die Polizei rechtlich und tatsächlich in die Lage zu versetzen, dem Opfer sogleich bei Aufnahme der Anzeige helfend zur Seite zu stehen.

Genau dies bezweckt der Vorschlag des nordrhein-westfälischen Innenministers Wolf. Seiner Idee ist zu wünschen, dass sie nicht im bürokratischen Dickicht zwischen Bundesrat, Behördenverordnung und Bedenkenträgern stecken bleibt. Dabei gibt es keinen Grund, diese Möglichkeit des Opferschutzes auf das Erwachsenen-Strafrecht zu beschränken. Gerade die pädagogische Abschreckung einer Konfrontation zwischen Opfer und Täter sowie der finanzielle Ausgleich dürfte auf viele jugendliche Schläger abschreckender wirken als manch populistischer Wahlkampfslogan aus dem Hause Koch.

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