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Filmrezensionen

Ein gutes Herz: Grantelei am Spelunkentresen

Gian-Philip Andreas

Fürwahr, so schlecht kann das Herz nicht sein, dass seinen Besitzer auch nach dem fünften Infarkt weiterleben lässt: Der übellaunige, schimpflustige Bar-Besitzer Jacques (Brian Cox, „Zodiac“) führt ein schummriges Absturzloch irgendwo im dunkelsten New York und säuft sich zielgerichtet in die jeweils nächste Herzattacke.

Auf der Intensivstation liegt neben ihm ein junger, naiver Obdachloser, gespielt von Paul Dano, der seit seinem Auftritt als fanatischer Jungpriester in „There Will Be Blood“ als Star des Indie-Kinos gilt. Jacques nimmt den suizidalen Lucas bei sich auf und bildet ihn zum Nachfolger aus. Hinterm Tresen.

Dort gibt es Regeln: Für einen guten Kaffee braucht es 24 Brühsekunden, Fremdkunden gehören hinausgeekelt, und leere Gläser werden nicht unaufgefordert weggenommen: Sie sind schließlich das Erfolgsergebnis des Gastes. Die merkwürdig entrückte Parallelwelt bekommt erst dann Brüche, als Lucas sich in eine schöne französische Stewardess verliebt. Was folgt, ist ein „gutes Herz“ im transplantativen Sinne - und viel Kitsch.

Das wunderbar gegensätzliche Duo Cox und Dano ist die Schau des Films. Vielleicht hat der isländische Regisseur Dagur Kári sie auch deshalb besetzt, weil die beiden im Drama „L.I.E.“ vor Jahren schon einmal in einer ähnlich verrutschten, Vater-Sohn-ähnlichen Geschichte glänzten. Jenseits dieses Glücksgriffs überzeugt das „Gute Herz“ lange nicht so wie Káris letzte Filme („Nói Albinói“ und „Dark Horse“): Zu schematisch ist es in der Durchführung, zu pathetisch im Abgang.

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