1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Ein „Hans

  6. >

80 Jahre Lengerich - Trainersuche - Content

Ein „Hans

Alfred Stegemann

Ladbergen - Tausendsassa - Hans Dampf in allen Gassen - Unermüdlich - Nicht klein zu kriegen - Immer unterwegs - Abenteuerlustig. Man könnte die Liste beliebig fortführen und würde ihm doch nicht ganz gerecht werden. Diese Lobhudelei mag Dr. Gustav Altevogt gar nicht und unterbricht: „Na ja, manchmal bin ich schon zu Hause. Zehn bis 15 freie Wochenenden im Jahr nehme ich mir.“ Aber der 78-Jährige weiß schon, dass er sich eine ganze Menge aufgebürdet hat. „Eigentlich ganz schön viel“, gibt er zu. Seit 1971 engagiert sich Gustav Altevogt aus Ladbergen ehrenamtlich auf vielen verschiedenen Ebenen. Und das voller Inbrunst.

Sport, Sportgeschichte, Kultur, Umwelt und natürlich seine Herzensangelegenheit, die Geologie, haben es ihm angetan. Sein Hobby hat er dabei zu seinem Beruf gemacht. Trotz seines zeitaufwändigen Jobs fand der Mann für alle Fälle immer Zeit und Muße, sich auch um ehrenamtliche Aufgaben zu kümmern. Und was Gustav Altevogt anpackt, macht er richtig. Halbherzigkeit verabscheut er. Ein Zitat des deutschen Schriftstellers Ernst-Moritz Arndt (1769 - 1860) wurde zu seinem Lebensmotto: „Sei was du willst; aber was du bist, habe den Mut ganz zu sein“.

Am 1. April 1946 trat der ehrgeizige 14-jährige Steppke dem TSV Ladbergen bei. Handball, Leichtathletik und natürlich Turnen waren seine Steckenpferde. Bis 1958 spielte Altevogt aktiv Handball. Bis Mitte der 1970er Jahre betrieb er Leichtathletik mit seinen Paradedisziplinen Weitsprung und 100 Meter. „Da war ich gar nicht so schlecht“, erinnert er sich. Immer wenn es ihm möglich war, widmete sich der drahtige junge Kerl dem Turnen. Während ihm das Seitpferd nicht so lag, machte er am Reck und am Barren eine gute Figur.

Eher durch Zufall fand der mittlerweile gestandene Familienvater 1971 ins Funktionärswesen. Das 50-jährige Bestehen des TSV stand bevor. Natürlich sollte eine Festschrift erstellt werden. TSV-Turntrainer Karl Christoffer machte Gustav Altevogt die Aufgabe schmackhaft. „Der meinte, ich könne das schon. Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommen würde, habe aber zugestimmt“, blickt der Naturwissenschaftler zurück. Die Festschrift traf den Geschmack des TSV-Vorstands. Damit war sie geboren, die Funktionärs-Laufbahn des Dr. Gustav Altevogt.

Nur wenige Monate später wurde er zum Pressesprecher und Geschäftsführer des Turn- und Sportvereins gewählt.

Ferdinand Grindel aus Emsdetten öffnete ihm zwei Jahre später Verbands-Türen. Zunächst arbeitete Altevogt als Pressewart des ersten Bezirks im Turngau Münsterland, später als stellvertretender Vorsitzender. Als Grindel im Dezember 1976 starb, übernahm der Ladberger den Vorsitz, den er bis heute inne hat. Obwohl er zumeist die anfallende Arbeit nicht abschätzen konnte, nahm Altevogt weitere zahlreiche Vorstandsämter in verschiedenen Bereichen an. Denn eines war der dreifache Familien- und fünffache Großvater immer: abenteuerlustig.

Für seine Doktorarbeit untersuchte er über 300 Millionen Jahre alte Korallen in Süd-Spanien. Allein hatte er sich 1959 auf den Weg dahin gemacht - mit einer BMW-Isetta. „Über 6000 Kilometer bin ich mit dem kleinen Auto gefahren, und es war ein fürchterlich heißer Sommer“, muss er noch heute schmunzeln, wenn er an sein damaliges Abenteuer denkt. Dabei hatte das Gefährt keine Klimaanlage und keine Federung. So taufte Altevogt sein Vehikel in „Schlaglochsuchgerät“ um, „da jede Unebenheit zu spüren war. Aber ich habe es geschafft. Die Isetta hat mich nie im Stich gelassen.“ Eine Nachbildung des Kultautos ziert heute die Fensterbank des Wohnzimmers. „Darauf bin ich stolz“, sagt er.

Weitere Aufenthalte in Spanien folgten. Da er auch spanisch sprach, erhielt Altevogt 1965 von der argentinischen Regierung einen geologischen Forschungsauftrag. Und so entsandte die Universität Münster den jungen Geologen für drei Jahre nach Argentinien, um Gesteinsmassen in den Süd-Anden zu erforschen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und dem nicht einmal ein Jahr alten Sohn Volker siedelte die Familie Altevogt nach Buenos Aires um. „Das war eine überaus interessante Zeit“, beginnen seine Augen zu funkeln. Die argentinische Hauptstadt lag allerdings mehr als 3000 Kilometer nördlich von seinem Einsatzgebiet kurz vor Feuerland. Insgesamt dreimal machte sich Altevogt auf die beschwerliche Reise und besuchte dabei unter anderem auch Ushnaia, die südlichste Stadt der Welt. „Absolut beeindruckend“ schwelgt Altevogt in Erinnerungen.

Schon damals hatte ihn eine unzähmbare Reiselust gepackt. Mittlerweile hat Gustav Altevogt die halbe Welt kennen gelernt. Das nächste große Abenteuer wartet schon. Im Herbst unternimmt er mit seiner Ehefrau eine Kreuzfahrt von Chile über Feuerland bis nach Argentinien und Uruguay.

Zur Ruhe setzen möchte sich der Tausendsassa noch lange nicht, wenn er auch anstrebt, nach und nach seine Vorstandsämter abzugeben. Denn er hat noch viel vor. „Alle meine Geschwister sind über 90 Jahre alt geworden“, sagt das jüngste von acht Kindern. „Das möchte und muss ich auch schaffen. Sonst lachen mich die anderen ja aus.“

Startseite