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Teil 2

Ein Kommissar wird verdächtigt

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Frau Rood, kommen Sie doch endlich zu sich!“ Kommissar Frühling patscht seiner Ratskollegin recht unsanft ins Gesicht. Ihre Augenlider zittern, als sie ihr Bewusstsein wiedererlangt. „Sie!“, kreischt sie und schreckt zurück, als sie Frühling erblickt. „Hilfe! Hilfäää!!!!“ – „Was ist denn los? Was haben Sie denn?“ – „Sie“, stottert Rood. „Sie haben...“ - „Was hat er?“

Plötzlich steht hinter Frühling die Vertrauen erweckende Gestalt von Polizist in Uniform Rembert Rote, seines Zeichens Eperaner, Kolpingbruder und gute Seele der Gronauer Polizeiwache. Rood blickt sich um: Sie muss längere Zeit ohne Bewusstsein gewesen sein. Im Schuppen wimmelt es mittlerweile von Menschen. Der Rettungswagen steht in der Auffahrt, Polizeiseelsorger Pfarrer Kaspers beruhigt Geraldine, die Ehefrau Weißes. Reporter Klaus Wiesel hat wieder mal alle Absperrungen der Polizei missachtet und schießt Fotos. Sogar die Spurensicherung hat schon die Arbeit aufgenommen.

Rood wendet sich an Rote. „Das ist der Mörder“, stammelt sie und weist mit zitterndem Finger auf – Frühling.

„Quatsch!“, widerspricht der Kommissar unwirsch. „Wie kommen Sie denn darauf ? Ich war doch erst nach Ihnen hier im Schuppen. Wenn ich Sie nicht aufgefangen hätte, als Sie umgekippt sind, hätten Sie jetzt ‘ne ganz schöne Beule.“ Rood bleibt misstrauisch: „Was suchen Sie denn überhaupt hier? Was wollten sie denn von Erich?“ – Nun“, Frühling druckst peinlich berührt herum. „Ich glaube, dass Sie das nichts angeht.“ – „Och, sach doch“, mischt sich Rote ein. „Mich würde es auch interessieren, was du am Tatort zu suchen hast, kaum dass er zum Tatort geworden ist.“

Plötzlich ertönt das Geräusch quietschender Reifen durch die Atmosphäre geschäftigen Treibens. Der grelle Strahl eines Blaulichts zerreißt das Zwielicht der Nacht. „Bert-Bodo“, stöhnt Frühling resignierend. Tatsächlich: Der Kommissar hat seinen Elektro-Rollstuhl polizeigrün-silber lackiert und ein Blaulicht an den Rahmen montiert. Mit Schwung nimmt er die Kurve um den Gartenteich und kommt zentimetergenau vor dem Schuppen zu stehen. „Was ist los? Hat‘s tatsächlich Weiße erwischt?“, fragt er pietätlos. „Ja, und Ihr Kollege Frühling ist der Mörder“, stößt Rood zitternd hervor. „Verhaften Sie ihn!“

„Nunmachensemalhalblang“, wehrt sich Frühling. „Ich sage Ihnen doch, dass ich nichts mit dem Tod von Weiße zu tun habe.“ – „Nein? Was haben Sie denn dann hier gemacht? Sie haben doch im Rat immer gegen ihn gestänkert. Dass er den Mund halten solle. Dass seine Wortbeiträge nicht mehr auszuhalten seien.“

„Stimmt ja auch“, blafft Frühling zurück. „Wenn man in drei Sitzungen nacheinander dasselbe hört, und das stundenlang, dann könnte man schon einen Mord begehen.“ – Sehen Sie“, heult Rood auf und sucht hinter Rote Schutz. „Er ist der Mörder.“

„Bin ich nicht“, Frühling wird es langsam zu bunt. „Vielleicht haben Sie Weiße ja selber umgebracht“, gibt er beleidigt zurück.

„Jetzt sag schon, was du denn hier gewollt hast“, schaltet sich Blöding ein. Das Blaulicht hat er inzwischen abgestellt. Er humpelt auf Frühling zu und legt ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Ich glaub ja auch nicht, dass du es warst“, sagt er treuherzig. „Aber dass du fast gleichzeitig wie der Mörder hier warst, ist doch schon komisch.“

„Ich..., ich“, Frühling schluckt. „Ich wollte mich bloß für mein Verhalten im Rat entschuldigen. Weil“, er druckst rum. „Ich will doch Bürgermeister werden. Und da brauch ich jede Stimme. Ich wollte, dass Weiße die FDP-Mitglieder aufruft, mich im nächsten Jahr zu wählen. Naja, und weil ich weiß, dass er ja auch mal Knatsch mit Holztisch hat, dachte ich, dass sei ganz vielversprechend, ihn um Hilfe zu bitten. Aber als ich hier ankam, fiel mir Frau Rood in die Arme. Und dann hab ich gesehen, dass Weiße da liegt.“

Petra Rood kann diese Version immer noch nicht glauben. „Wo soll der Mörder denn dann sein ?“ Doch ihr Geplänkelt wird unterbrochen. „Mensch Leute, ich werde verrückt“, stört sie Kripo-Mann Peter Neuhof, der mit seinen Kollegen die Spuren sichert. „Wisst ihr, was wir hier haben?“ – „Na, ‘ne Leiche“, meint Blösing. „Den gewesenen Liberalen Weiße!“ - „Nee, das mein ich nicht. Guckt euch doch mal diesen Apparat hier an.“

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