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Ein Sprachwissenschaftler hat das niederrheinische Namensphänomen Jans(s)en untersucht

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Regionales. Der Klever Mundartdichter Karl Groenewald macht in Versform diesen Witz: Auf der Straße rufe jemand „Hä, Janze!“ - also „hey, Jans(s)en! - und prompt drehe sich jeder Zweite um. Dass der halbe Niederrhein auf diesen Namen höre, hält selbst Georg Cornelissen für übertrieben. Und doch hat der Sprachwissenschaftler des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) den Jans(s)ens ein gut hundertseitiges Buch gewidmet. Titel: „Jans(s)en vom Niederrhein - die Erfolgsgeschichte eines Namens“.

Groesbeek ist spitze

Cornelissen arbeitet im das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte. Er hat sich die Mühe gemacht, den Bevölkerungsanteil der Janssens und Jansens, Janßens, Janhsens und Janshens zu bestimmen. Die meisten Namensträger gibt es ihm zufolge in Mönchengladbach und Krefeld. Den größten prozentualen Anteil der Sippe hat Cornelissen jedoch für Kranenburg im Kreis Kleve ermittelt: Dort machten die Jans(s)ens gut 4,5 Prozent der Einwohner aus. In Goch seien es 3,3 Prozent, in Kleve immerhin noch 2,1. Die Spitze mit 5,3 Prozent markiert allerdings Groesbeek, der niederländische Nachbarort Kranenburgs.

Der Name Janssen mit all seinen Variationen gehört für Cornelissen „zum Kernbestand der regionalen Namensgeschichte“ und ist nach seiner Ansicht „Teil des landschaftlichen Kulturerbes“. Janssen (Janßen, Jansen), so stellt er fest, sei „der Name am Niederrhein“; in vielen Orten reichten da noch nicht einmal Schmitzens und Müllers heran. Und die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass auch Niederrheiner anderen Namens mit einem Jans(s)en verwandt seien - „über wie viele Ecken auch immer“.

Am Beispiel vieler Namensträger untersucht Cornelissen durch die Jahrhunderte, wie sich dieser Name so stark ausbreiten konnte. Eine Erklärung: Ohne die Beliebtheit des Rufnamens Jan wäre er wohl nicht so oft vergeben worden. Zudem weist der Autor Parallelen zwischen Namensentwicklung und allgemeiner Sprachgeschichte nach: In niederrheinischen Regionen, die (teilweise neben dem Deutschen) das Niederländische verwendet hätten, habe der Name Jans(s)en besonders viel Beachtung gefunden. Laut Cornelissen gilt dies vor allem für den linksrheinischen Raum.

Der Heilige Janssen

Goch, so schreibt der Sprachwissenschaftler, fühle sich als „Mittelpunkt des Janssen-Kosmos“. Das mag am bekanntesten Vertreter der Janssens liegen, der von dort stammte und Arnold hieß: 1875 gründete er in Steyl bei Venlo ein Missionshaus, das zum Zentrum der „Steyler Missionare“ wurde. 2003 wurde Arnold Janssen heiliggesprochen; seine Heimatstadt Goch ist seit 2005 ein Wallfahrtsort.

Das Buch „Jans(s)en vom Niederrhein. Die Erfolgsgeschichte eines Namens“ von Georg Cornelissen ist im Klever Boss-Verlag erschienen. Es kostet 11,50 Euro (ISBN: 978-3-89413-173-9).

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