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Ein stiller Held: Steinfurter Claus Muchow wird mit dem "Bambi" ausgezeichnet

Julia Gottschick

Steinfurt / Potsdam - Den ersten Smoking seines Lebens kaufte er sich Anfang der Woche. Kurz, nachdem er erfuhr, dass er einen Bambi bekommt. Als er den Anruf erhielt, da war er erstmal baff. „Es gibt 78 Millionen Deutsche und 5400 Schornsteinfeger. Ich habe mir schon die Frage gestellt: Warum gerade ich?“, sagt Claus Muchow halb ernst, halb scherzhaft.

Einmal mit Stars wie Sarah Jessica Parker oder Orlando Bloom auf der Bühne stehen: Für den Steinfurter Schornsteinfeger-Meister wurde dies am Donnerstagabend in Potsdam Wirklichkeit. Der Katastrophenhelfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) holte das goldene Kitz ins Münsterland: Gemeinsam mit Daniela Lesmeister und Tom Wenzel wurde er in der Kategorie „Stille Helden“ ausgezeichnet.

„Blamier uns nicht“: Diesen Satz gaben ihm seine beiden Töchter mit, als er sich mit Ehefrau Fiona auf den Weg nach Potsdam machte. Aufgeregt sei er gewesen, räumt Muchow ein. „Schließlich ist das die medienwirksamste Auszeichnung in Deutschland, man kommt hinein in die Ewige Liste - zusammen mit Persönlichkeiten wie Bill Clinton. Das ist schon beeindruckend.“

Beeindruckend war auch das Erklimmen der Bühne, wo er den Preis aus den Händen von Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel entgegennahm. Es sei gewesen „wie zwischen Himmel und Erde, als ob man träumt - und es geht rasend schnell wieder vorbei.“ Vorne sehe man von der Bühne aus „die Leute des öffentlichen Lebens sitzen, und man selbst kommt sich in diesem Moment sehr allein vor“.

Der Tsunami 2005 in Sri Lanka, 2008 die Cholera-Epidemie in Simbabwe, im gleichen Jahr das Erdbeben in China, Anfang 2010 Haiti und vor Kurzem die Flut in Pakistan: Wo immer Menschen Hilfe brauchen, ist der Steinfurter zur Stelle. Er gehört zum Stamm der 300 DRK-Katastrophen-Helfer, ist beim Aufbau von Hospitälern dabei und Experte in Sachen Trinkwasseraufbereitung.

Ein stiller Held, im Wortsinn: Bescheiden wie man ihn kennt, nahm er auch die Auszeichnung entgegen. „Stellvertretend für alle Rotkreuzhelfer, die jeden Tag Menschen in Not zur Seite stehen“, wie er in seiner Dankesrede sagte. Nun steht er im Rampenlicht - „mehr als mir lieb ist“, sagt er dazu, „ich arbeite die neue Situation ab, aber Montagmorgen will ich wieder Schornsteinfeger sein.“

Mit der Welt der Prominenten kenne er sich persönlich nicht aus, „ich gucke ja kaum Fernsehen“. Wohl aber habe er mit Sarah Jessica Parker „bei einem Glas Schampus“ ein wenig Small Talk gehalten und sei mit Münster-Tatort-Star Jan Josef Liefers sogar etwas mehr in die Tiefe gegangen. „Ich stehe vor der Kamera, weil ich dafür Geld bekomme“, habe der zu ihm gesagt. „Du machst das, weil du von deiner Sache überzeugt bist.“Foto: dpa

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