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Eine rabenschwarze Saison

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Ahlen - Wenn am Samstag auf dem Marktplatz um 12.30 Uhr der Startschuss zur vierten Auflage des Sparkassen Münsterland-Giros fällt, ist ein echter Lokalmatador dabei. Während die (Radsport-)Welt die Augen auf die gebürtigen Münsteraner Linus Gerdemann und Fabian Wegmann vom Team Milram richtet, geht Daniel Westmattelmann als Außenseiter ins Rennen. Der Ahlener Radsportler in Diensten des Bochumer Continental-Teams Sevens Stones weiß, dass er nur kleine Chancen auf einen Erfolg hat. Die aber will er nutzen, wie er „AZ“-Mitarbeiter René Penno verriet.

Daniel, am Samstag steht für Sie ein echtes Heimrennen im Kalender: Sie sind in Ahlen geboren, haben in Beckum lange gewohnt, jetzt pendeln Sie zwischen Ahlen und Münster - wie groß ist die Vorfreude auf den Münsterland-Giro?

Westmattelmann: Die Vorfreude ist schon riesig. So langsam kann der Tag auch kommen. Jetzt hoffe ich, dass auch die Form stimmt. Es werden viele Freunde und Bekannte da sein und ich kenne die Strecke wie meine Westentasche.

Sie haben es gerade selbst gesagt - Sie kennen die Strecke wie Ihre Westentasche. Gibts denn schon einen Plan für das Rennen?

Westmattelmann: (schmunzelt) Natürlich, aber der wird nicht verraten. Aber mal im Ernst: Klar will man sich von der besten Seite zeigen, aber die Konkurrenz ist groß. Viele wollen sich zum Ende der Saison noch einmal vorn präsentieren. Außerdem ist das Rennen top besetzt, da wird es schwer, sich gegen die etablierten Profis durchzusetzen.

Haben Sie sich noch einmal gezielt auf den Münsterland-Giro vorbereitet?

Westmattelmann: Nach meiner Krankheitsgeschichte in diesem Jahr habe ich gar nicht mehr so viel trainiert. Stattdessen habe ich viel über die Rennen gemacht. Na klar, man will schon mit Form am Start stehen, aber eine spezielle Vorbereitung gab es nicht. Aber mit meiner Motivation und der Streckenkenntnis ist vielleicht doch was möglich.

Die Saison neigt sich nun allmählich dem Ende entgegen. Wie sieht Ihr Fazit aus?

Westmattelmann: Rabenschwarz! Ich hatte mir zu Beginn der Saison wohl zu viel vorgenommen und zu viel Stress gemacht: Entweder du schaffst es, oder du schaffst es nicht. Ich wollte im letzten U23-Jahr noch mal richtig Gas geben. Im Endeffekt lief gar nichts, ich war zwischendurch richtig ausgelaugt. Bei der Thüringenrundfahrt hatte ich einen Hoffnungsschimmer, konnte mit den Besten am Berg mitfahren, aber schon bei der Deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren war ich wieder kraftlos. Für das vierte U23-Jahr war das gar nix. Im Winter habe ich zuviel gemacht - im Endeffekt war das vergeudete Energie.

Wie geht es im nächsten Jahr für Sie weiter?

Westmattelmann: Ich habe ein paar Optionen, aber noch ist nichts spruchreif. Ich werde aber mehr Priorität auf mein BWL-Studium legen. Denn wenn man sich die Situation im Radsport mal anschaut, wird es sicher nicht leichter, nach oben zu kommen. Und ich will nicht so blauäugig sein und nur auf den Radsport setzen. Auf jeden Fall werde ich aber weiterfahren. Ich bin jetzt 21, da kann ja noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein.

Ist denn ein bisschen Wehmut dabei, es nicht weiter nach oben geschafft zu haben?

Westmattelmann: Nein, sicher nicht. Es war ja nicht alles umsonst. Ich hatte eine tolle Zeit und habe viele Leute kennengelernt. Aber es ist besser so, als ganz auf den Radsport zu setzen und am Ende dann doch mit leeren Händen dazustehen. Ich will jetzt auch nicht schwarz malen. Es ist in diesem Jahr halt blöd gelaufen, ich hatte mich da in was reingesteigert. Ich will aber ambitioniert weitermachen. Vielleicht geht ja noch was. Am Samstag will ich noch einmal meine Visitenkarte abgeben!

Ihr Tipp - wie geht das Rennen am Samstag aus?

Westmattelmann: Das ist wirklich schwer zu sagen. Die erste Hälfte des Rennens ist wirklich schon anspruchsvoll. Da kann sich bereits etwas tun. Aber mit Gerald Ciolek, Kenny van Hummel und André Greipel sind mindestens drei richtig schnelle Sprinter dabei. Da werden es mögliche Ausreißer nicht leicht haben.

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