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Filmrezensionen

Eine Übermutter taut auf

Hans Gerhold

In den USA werden Komödien wie „Von Frau zu Frau“ treffend „Chick Flicks“ genannt, weil es weniger auf die romantischen Dates der jungen Damen ankommt, sondern auf den Kampf weiblicher Prinzipien gegen Bevormundungen und die Turbulenzen verwirrter Gefühle.

Wie schwer etwa die Abnabelung von einer dominanten Mutter sein kann, erlebt Mandy Moore als Millie, begnadete Köchin, Catering-Service-Chefin und Nesthäkchen des Dreimäderlhauses von Mutter Daphne (Diane Keaton). Die will ihr Küken endlich unter die Haube bringen, arrangiert ein Date mit dem Mann, der ihr, der Mutter, gefallen könnte, und bringt Millie, die ständig auf den falschen Mann abfährt, in die Zwickmühle. Millie wird jedoch durch des Drehbuchs Tücke gleichzeitig mit zwei Männern romantisch und beziehungsmäßig auf Hochtouren gebracht.

Stoff für witzige Konflikte ist also reichlich angelegt, wenn Diane Keaton mit „Weil ich es sage“ (Originaltitel) jede Diskussion tötet, heimlich die Internet-Kontaktbörse anzapft und doch immer noch geschockt ist, wenn Millie mit ihren bereits verheirateten Schwestern (Piper Perabo und Lauren Graham) freimütigst über ihr Sexualleben redet. Die Frau ist so versteift, dass selbst die hilfreichen chinesischen Masseusinnen aufgeben.

Mit viel Esprit in den Dialogduellen landen Regisseur Michael Lehmann und Drehbauchtorinnen Karen Leigh Hopkins und Jessie Nelson („Seite an Seite“, mit Julia Roberts und Susan Sarandon) eine im Grunde tragikomische Story um das gefühlsmäßige Auftauen einer Matriarchin, die sich anfangs als aktiv, dann als einsam erweist und in der besten Szene des Films, als sie der ungarischen Grippe wegen nicht sprechen kann, von der Tochter den Orgasmus erläutert bekommt und dafür reichlich Szenenbeifall in der ausverkauften 97-Prozent-Frauen-Vorstellung erntete.

Das ist ein Heimspiel für Diane Keaton, die quirlig, und überdreht, auch (für Männer) nervig, dann wieder ausnehmend drollig und liebenswert das richtige Leben organisieren will, das Handy in der Plätzchentüte vergisst und mit einem Lover belohnt wird. Mandy Moore weiß sich gegen Keaton gut zu behaupten und erkämpft sich eigenen Willen, Domina-Prinzip und den richtigen Mann (der Architekt oder der Musiker mit Sohn?) mit charmanter Zurückhaltung, die irgendwann explodiert. Wann kommt die Erkenntnis? Wenn ihr die Törtchen anbrennen. Zauberhaft.

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