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Eine verhängnisvolle Affäre: Opposition fordert Berlusconis Rücktritt

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Rom - Mitglieder der italienischen Opposition fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, Vertreter der katholischen Kirche sprechen von einem Verfall der Moral: Die Affäre um sein bisher anrüchig unklares Verhältnis zu einer 18-jährigen Schülerin aus Neapel scheint Berlusconi in die Bredouille zu bringen. Nachdem der 72-Jährige zu Beginn seiner dritten Amtszeit geradezu unverletzlich erschien, schlägt sein Überraschungsbesuch zum 18. Geburtstag der langbeinigen, blonden Noemi Ende April nun doch auch im skandalerprobten Italien Wellen.

Die Anti-Korruptions-Partei „Italien der Werte“ (IDV) unter der Führung von Antonio Di Pietro wollte einen Antrag auf ein Misstrauensvotum im Parlament einbringen. „Es ist eindeutig, dass der Ministerpräsident nicht die moralischen Qualitäten besitzt, um ein Land zu regieren“, so Di Pietro. Bisher gelang es dem IDV-Führer allerdings nicht, die uneinigen Oppositionsparteien unter einen Hut zu bringen. Die katholische Wochenzeitschrift „Famiglia Cristiana“ protestiert, die Bürger verdienten Aufklärung. „Moralische Immunität“ sei auch für Regierungsmitglieder nicht tolerierbar, zitierte „La Repubblica“ am Dienstag den Chefredakteur von „Famiglia Cristiana“, Don Antonio Sciortino.

Schon in der vergangenen Woche hatte die Verurteilung von Berlusconis britischem Anwalt David Mills wegen Korruption dem Regierungschef einigen Gegenwind beschert. Mills waren Falschaussagen zu Berlusconis Gunsten nachgewiesen worden. Prompt hagelte es Rücktrittsforderungen aus der linken Opposition. Kommunistische Politiker kündigten an, mit einer Unterschriftenaktion ihre Forderung nach einer Demission untermauern zu wollen. Berlusconi wiederum schimpfte über die Richter, das Urteil sei von „Linksextremisten“ geschrieben worden.

„Man hatte mich gewarnt: Die Verlegergruppe Repubblica-Espresso wolle das fertigbringen, was die Opposition nicht schafft - mich aus dem Weg räumen“, ließ sich Berlusconi gestern erbost in der rechts-konservativen Zeitung „Libero“ aus.

Jedoch hallen die Behauptungen des 22 Jahre alten Ex-Freundes des Mädchens in der Öffentlichkeit nach. Der Ministerpräsident habe sich 2008 bei Noemi persönlich gemeldet, heißt es da - wohl nachdem ihm Bewerbungsfotos von ihr für einen Job als TV-Show-Girl in die Hände gefallen waren. Auf zahlreiche Anrufe sei eine Einladung gefolgt. Silvester habe Noemi mit 40 anderen jungen Frauen in Berlusconis Luxusvilla auf Sardinien gefeiert. „Danach war sie nicht mehr meine Noemi“, so der verbitterte Freund.

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