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Jazzfest Gronau Content

Einfach furios

Martin Borck

Gronau - Gronau ist nicht San Francisco, und es war Donnerstag- und nicht Freitagabend; dennoch wurden bei einem Großteil des Jazzfest-Publikums unweigerlich Erinnerungen an die legendäre LP „Friday Night in San Francisco“ wach. Anfang der 80er-Jahre hatten die drei schnellsten Stars der Gitarrenzunft das Album live eingespielt. Und Al di Meola, ein Drittel dieses Trios, demonstrierte am Donnerstag in der Bürgerhalle, dass er bei der Formel-1-Weltmeisterschaft der Gitarreros nach wie vor die Spitzenposition einnimmt.

Doch gemach: Tempo allein bedeutet schließlich noch längst nicht automatisch Qualität. Selbst die schnellsten Runden beim Autorennen ermüden ja irgendwann. Und genau dieser Effekt drohte auch am Donnerstagabend einzutreten, zumindest phasenweise: Di Meola feuerte eine fingerfertige Breitseite nach der anderen ab. Ein Kabinettstück mit prasselnden Gitarrensalven folgte dem nächsten; vor lauter Eile wurde die übrige musikalische Substanz fast sogar überrundet. Die pure Furiosität - so paradox das erscheinen mag - überstrahlte in diesen Phasen alles andere.

Es wäre allerdings unfair, di Meola auf reine Geschwindigkeit zu reduzieren. Er knüpfte mit den Stücken seiner aktuellen CD an die Tradition an, die er selbst mitbegründet hat: das Verschmelzen verschiedener Stile zu etwas Neuem. Tangorhythmen, dazu der suitenähnliche Aufbau einiger Stücke, der phasenweise Muzette-ähnliche Klang des Akkordeons, der an französische Chansons erinnerte - das hatte einen überzeugenden Reiz. Di Meola und seine musikalischen Mitstreiter, der kongeniale Fausto Beccalossi (Akkordeon), Kevin Seddiki (Gitarre) und Drummer Peter Kazsas, rissen die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hin.

Die technische Virtuosität raubte den Zuhörern schier den Atem. Wie um alles in der Welt bekommt man seine Finger derart geschmeidig? Die hohe Anschlagfrequenz stellte die Verarbeitungskapazität der Trommelfelle auf eine harte Probe.

Die grenzenlose Dankbarkeit der Fans (, die sich im heftigem Applaus äußerte, bevor auch nur ein Ton gespielt war,) wird aber wohl ewig den frühen Kompositionen der 70er-Jahre gelten. So brandete Jubel auf, als er den „Mediterrean Sundance“ anstimmte, das Stück, mit dem die Meola auf einen Schlag in der gesamten Jazzwelt berühmt wurde.

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