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Die Welt muss sich in Syrien einmischen

Einmalige Chance

wn

Wird Syrien im Nahen Osten zum nächsten Dominostein, der durch die Proteste der Reformer umfällt?

Gestern mehrten sich angesichts der Berichte über die Gewalt-Exzesse der Staatsmacht gegenüber Demonstranten die Rufe im Westen nach dem UN-Sicherheitsrat. Und in der Tat ist nicht einzusehen, warum sich die Völkergemeinschaft nach Libyen nicht auch schnellstens mit dem Regime in Damaskus befassen soll.

Auch in Syrien sterben Zivilisten durch Soldatenkugeln, und das Arsenal der am Schutz syrischer Bürger interessierter Staaten ist bei Weitem noch nicht ausgenutzt.

Hier steht eine ganze Palette an politischen und wirtschaftlichen Sanktionen zur Verfügung, das unbedingt ausgenutzt werden sollte. Denn ein weiteres militärisches Engagement wird sich derzeit keine der Nationen, die bereits am Libyen-Waffengang beteiligt sind, leisten wollen.

Maximaler Druck auf den jahrelangen Reform-Vortäuscher Baschar al-Assad, so wie es gestern der münsterische CDU-Politiker Ru­precht Polenz gefordert hat, und maximale Rückendeckung für die Opposition drängen sich aber nicht nur aus humanitären Gründen auf.

Die Krise bietet vielmehr eine einmalige historische Chance. In Syrien repräsentieren Assad und die Spitze der regierenden Baath-Partei die religiöse Minderheit der Aleviten.

Gäbe es freie Wahlen und eine Wende zur Demokratie, wäre wohl der Abschied vom Regime perfekt - mit Folgen für die gesamte Region: Der Polizeistaat Syrien war bisher einer der größten Unruhestifter durch seine enge Allianz mit den Extremisten der Hisbollah und Hamas, und für Teheran wäre ein Sturz Assads und seiner Mitstreiter ein Tiefschlag.

In diesem bedeutenden Punkt hat sich auch US-Präsident Obama geirrt: Nicht eine Annäherung an Assad, sondern der Abschied von ihm und seinen Autokraten würde realistische Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden in Nahost wecken.

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