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Elfen mögen keine Bagger

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Wenn das Telefon bei Erla Stefansdottir klingelt, hat vielleicht wieder jemand ein Problem mit Elfen. Im Lexikon steht zwar, dass Elfen Fabelwesen sind. Doch auf Island ist das ein bisschen anders. Laut einer Umfrage glaubt etwa jeder zehnte Isländer, dass es Elfen wirklich gibt oder zumindest geben könnte.

Wenn neue Häuser oder Brücken gebaut werden, ist das dort ein großes Thema: Dann können Elfen ganz schön wütend werden, glauben viele. Sie fühlten sich vom Lärm gestört und seien sauer, weil wieder ein Stück Natur zubetoniert wird. Manchmal, sagen die Isländer, machen die Elfen einfach einen Bagger kaputt, um sich zu rächen.

Darum ist Erla Stefansdottir sehr gefragt. Sie ist über 70 Jahre alt und behauptet, Elfen sehen zu können. „Mit einigen Elfen kann ich auch reden“, sagt sie. Vor einiger Zeit war das zum Beispiel in einem Dorf gefragt. Dort sollte ein neues Altenheim gebaut werden. Doch die alten Leute wollten vorher die Meinung der Elfen hören. „Ich habe den Elfen gesagt, dass sie mit in das Haus einziehen können, wenn es fertig ist“, berichtet Erla. Damit seien die Elfen einverstanden gewesen.

Doch warum glauben erwachsene Leute an Elfen? Das hat sich auch Arni Björnsson gefragt, der in Island Kultur erforscht. „Island war immer sehr abgelegen. Bei uns hat sich vieles anders entwickelt“, sagt er. Erst seit etwa 1000 Jahren leben Menschen dauerhaft auf der Insel am Polarkreis. Die ersten Einwanderer kamen mit Schiffen aus dem Norden des europäischen Kontinentes. Alle haben ihre Erzählungen mitgebracht, in vielen gab es fantastische Wesen. Die Geschichten wurden über viele Jahrhunderte weitergegeben.

Heute ist Island ist eines der modernsten Länder in Europa. Doch der Elfen-Glaube ist noch immer da. Warum, kann auch Arni Björnsson nicht erklären. Doch er meint: Der Elfenglaube könne die isländische Art von Naturschutz sein.

Der Wissenschaftler selbst glaubt nicht an Elfen. Aber er meint auch nicht, dass Leute wie Erla Stefansdottir lügen oder spinnen. „Manche Menschen bewahren sich auch als Erwachsene etwas von ihrem fantasievollen kindlichen Glauben“, sagt er. „Ich finde das nicht schlimm.“

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