1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Elfjähriger bleibt allein am Hauptbahnhof zurück

  6. >

Züge fahren vermehrt ohne Signal los

Elfjähriger bleibt allein am Hauptbahnhof zurück

Martina Döbbe

Münster - Diesen Ausflug hatte der Familienvater aus Neuenkirchen nicht eingeplant. Und gefallen hat er ihm schon gleich gar nicht. Seine Fahrt führte ihn von Münster nach Dortmund - und postwendend zurück.

Denn eigentlich war der Mann nur in den Zug gestiegen, um seiner Mutter und seiner Tochter behilflich zu sein - ein Gentleman, der das Gepäck verstaut und sie zu ihren Plätzen bringt. Doch just da schlossen sich die Türen, der Zug dampfte ab - und auf dem Bahnsteig zurück blieb ziemlich verdutzt der elfjährige Sohnemann.

Ein Einzelfall? „Keineswegs“, sagt Wolfgang Amberge von der Bundespolizeiinspektion Münster. Schuld daran sei die Technik. Denn bei den neueren Modellen gebe es keinen Schaffner, der seinen Blick prüfend über den Bahnsteig schweifen lässt, dann die Trillerpfeife betätigt und das Signal zur Abfahrt gibt. „Das macht jetzt der Triebfahrzeugführer selbst“, berichtet der Beamte.

Der Triebfahrzeugführer - schlicht der Lokführer - blicke wohl noch aus dem Fenster, ehe er den Knopf zum Türenschließen betätige. Aber: „Wie soll er sehen, dass da noch jemand im Gang steht, der eigentlich rausmöchte?“ Könne er ja nicht - er müsse pünktlich abfahren. „Da kommt dann auch keine Durchsage, dass es losgeht, dass man noch Zeit für ein Küsschen hat und dann besser aussteigt“, berichtet Amberge von ähnlichen Fällen, in denen sich die Türen schlossen. „Und zu ist zu. Die lassen sich dann nicht mehr öffnen.“

So wie in diesem jüngsten Fall auf Münsters Hauptbahnhof. Der aber ein Happy End fand. Denn der unfreiwillige Passagier verständigte sofort einen Zugbegleiter im nächsten Waggon, der wiederum alarmierte die Kollegen der Bundespolizei - und die machten sich sogleich auf den Weg zum „Tatort“ Gleis 9.

Das klappte so flugs Hand in Hand, dass der Elfjährige noch nicht mal richtig Zeit gehabt habe, seinen Vater zu vermissen . . . Die Polizeibeamten nahmen ihn mit auf ihre Dienststelle, wo der glückliche Herr Papa ihn gut zwei Stunden später abholte. Nicht bekannt ist, ob der für seine unfreiwillige Tour eigentlich ein Ticket lösen musste.

Startseite