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"Elin the Machine" auf dem Weg ins Rampenlicht

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<1>Warendorf - Tag, Monat, Jahr – die Daten ihrer Triumphe hat Elina drauf wie ihren eigenen Geburtstag. Sie zählt sie so zackig auf, wie sie ihre Fäuste fliegen lassen kann. Wenn sie kann. Im Moment ist Elinas schlagkräftigste Waffe in Mull gewickelt. Ihre rechte Hand ist bandagiert. Ärzte haben die Drähte entfernt, die nach einem Trainingsunfall ihre gebrochenen Mittelhandknochen verbunden hatten.

Die „Worldchampionesse“ – wie sie auf ihrer Homepage genannt wird – hat trainingsfrei. Ihre Gesundheit zwingt sie dazu. Und das ist so gar nicht Elinas Ding. Einige Wochen muss sie auf das Gefühl verzichten, im Boxring zu stehen, die weißen Handschuhe – eine Sonderanfertigung – überzustreifen und zu boxen, bis der Schweiß von der Stirn tropft.

<2>Elina Tissen ist Boxerin und hat vor gut vier Wochen ihren zweiten Weltmeistertitel innerhalb ihres Verbandes GBC (Global Boxing Council) errungen. Jetzt brennt sie darauf, mit Ina Menzer eine andere deutsche Weltmeisterin herausfordern zu können. Ein Kampf, der ihr Durchbruch werden könnte. Inklusive Fernsehübertragung, ganz großem Publikum und auch der Chance auf großes Geld, das in den USA verdient wird. Dass es nicht so sein könnte, darüber wird nicht gesprochen in der Boxhalle in Oelde, in der Elina normalerweise fünf Mal pro Woche trainiert. Ganz so, als gäbe es diese Option gar nicht.

<3>In so einer ähnlichen Halle hat Trainer Maiki Hundt Elina entdeckt. Im wahrsten Sinn des Wortes. Während der ehemalige Kickboxer seine Schüler in der einen Hälfte des Saals trainierte, studierte Elina gleich nebenan mit Freundinnen einen Tanz ein. Techno. Schnelle Moves. Blitzartige Bewegungen. Elinas Schnelligkeit sei ihm sofort aufgefallen, erzählt Hundt. Er animierte sie zu einem Probetraining. Heute, drei Jahre später, steht Elina auf Platz 28 der Weltrangliste, und sie ist in ihrer Gewichtsklasse die Viertbeste in Europa, sagt die Sportlerin.

In der Halle riecht es nach Heizöl. Ein Ofen in einer Ecke rauscht ohne Pause. Warm ist es dennoch nicht. Soll es auch nicht, schließlich sollen sich die Boxer, die hier trainieren, bewegen. Gepolsterte Fäuste platschen gegen Sandsäcke. Eine Gruppe von jungen Männern absolviert eine Übung mit Basketbällen.

Elina absolviert nämlich gerade ihr Anerkennungsjahr und wird Erzieherin. Sie arbeitet in einem Warendorfer Kindergarten und dort haben die Kleinen nach dem letzten Kampf erst so richtig mitbekommen, dass ihre Elina ein ganz besonderes Hobby hat. Ihr ist wichtig, dass sie ihre Ausbildung in diesem Jahr auch abschließt. Die Prüfungen liegen schon hinter ihr. Bald will sie sich ganz dem Sport widmen. Denn – und da wird Elina feierlich – „Boxen ist mein Leben geworden“.

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